Einfach gesagt — Der Käufer einer Option zahlt eine Prämie für ein Recht. Der Verkäufer, auch Stillhalter genannt, übernimmt die passende Pflicht. Ob dieses Recht den Kauf oder Verkauf des Basiswerts betrifft, legen Call und Put fest; Strike, Verfall und Settlement bestimmen die Einzelheiten.
Eine Option ist ein derivativer Vertrag, dessen Wert von einem Basiswert oder einer vereinbarten Referenz abhängt. Ein Call gibt seinem Käufer das Recht, nach den Vertragsbedingungen zu kaufen oder eine entsprechende Auszahlung zu erhalten. Ein Put gibt das Recht zu verkaufen oder die festgelegte Auszahlung zu beanspruchen. Der Käufer besitzt ein Recht, der Stillhalter die korrespondierende Verpflichtung. Beide Seiten können ihre Marktposition vor dem Verfall schließen, sofern ein handelbarer Markt besteht.
Bestandteile des Vertrags
Der Name „Option“ reicht nicht aus, um eine Position wirtschaftlich zu beschreiben. Mindestens diese Koordinaten müssen bekannt sein:
- Basiswert oder Referenz: Aktie, Index, Future, Währung, Rohstoff oder eine andere festgelegte Größe;
- Typ: Call oder Put;
- Strike
K: vertraglicher Ausübungspreis, nicht die gezahlte Prämie; - Verfall
T: Zeitpunkt oder Zeitraum, an dem das Recht endet; - Stil: etwa europäisch oder amerikanisch, mit den Regeln des jeweiligen Kontrakts;
- Multiplikator: Übersetzung eines Preises je Einheit in den Geldbetrag des Kontrakts;
- Deliverable und Settlement: Lieferung des Basiswerts, Barausgleich oder eine daraus entstehende Position;
- Währung, Handelskalender und Cut-off: operative Regeln für Handel und Weisungen.
Die Aussage „ein Optionskontrakt entspricht hundert Aktien“ ist in manchen Aktienoptionsmärkten gebräuchlich, aber keine universelle Definition. Nach Kapitalmaßnahmen kann sich auch ein standardisierter Deliverable ändern. Vor jeder Berechnung sind deshalb die aktuellen Kontraktspezifikationen zu lesen.
Payoff und Ergebnis am Verfall
Für eine einfache europäische Vanilla-Option lautet der Brutto-Payoff je Einheit am Verfall:
Call: max(S_T − K, 0) Put: max(K − S_T, 0)S_T ist der maßgebliche Basiswertpreis am Verfall. Das Ergebnis des
Optionskäufers ist nicht identisch mit diesem Payoff: Die gezahlte Prämie,
Gebühren und weitere Kosten werden abgezogen. Beim Stillhalter wird der Payoff
mit umgekehrtem Vorzeichen betrachtet und die erhaltene Prämie einbezogen.
Anschließend wirken Multiplikator, Währung und Abwicklung.
Ein Long Call hat im vereinfachten terminalen Profil einen auf die Prämie begrenzten Verlust und nach oben offenen Gewinn. Der Short Call besitzt das entgegengesetzte Profil und kann im ungedeckten Beispiel einen nicht begrenzten Verlust erzeugen. Long Put und Short Put spiegeln die Bewegung unterhalb des Strikes, wobei der tatsächliche Verlust auch von der unteren Grenze des Basiswerts und von den Vertragsregeln abhängt. Diese Aussagen ersetzen keine Margin- oder Liquiditätsanalyse während der Laufzeit.
Vor T ist der Marktwert nicht einfach der terminale Payoff. Restlaufzeit,
implizite Volatilität, Zinsen, erwartete Ausschüttungen, Forwardpreis und
Marktliquidität beeinflussen die
Optionsprämie. Ein heute aus dem Payoff
berechneter Break-even ist daher eine terminale Rechengröße, keine Grenze des
zwischenzeitlichen P&L.
Moneyness
Moneyness beschreibt die Beziehung zwischen Basiswert beziehungsweise Forward
und Strike. Bei einem Call ist „in the money“ typischerweise S > K, bei einem
Put S < K. „At the money“ und „out of the money“ werden entsprechend
verwendet. In professionellen Vergleichen ist zu klären, ob Spot-Moneyness,
Forward-Moneyness, Log-Moneyness oder eine Delta-Koordinate gemeint ist.
Moneyness ist keine Erfolgsaussage. Eine Option kann in the money sein und für den Käufer nach Prämie und Kosten trotzdem einen Verlust aufweisen. Umgekehrt kann eine out-of-the-money Option vor dem Verfall mit Gewinn verkauft werden, wenn ihr Marktwert gegenüber dem Kauf gestiegen ist.
Wovon die Prämie abhängt
Die Marktquote entsteht aus Angebot und Nachfrage. Ein theoretischer Preis ist hingegen das Ergebnis eines Modells. Wichtige Inputs sind Basiswert oder Forward, Strike, Restlaufzeit, Zinsen, Dividenden oder Carry, implizite Volatilität sowie Ausübungs- und Settlementregeln. Bid und Ask können weit auseinanderliegen; der Mid ist nur ein Rechenpunkt und kein garantierter Fill.
Die Sensitivitäten Delta, Gamma, Vega und Theta beschreiben lokale Modellreaktionen. Sie sind weder konstant noch voneinander unabhängig. Ihre Einheit, der betrachtete Volatilitätsknoten und der Multiplikator müssen angegeben werden.
Ausübung, Zuteilung und Verfall
Ausübung ist die Nutzung des Rechts durch den Käufer. Zuteilung ist die Zuordnung der daraus entstehenden Pflicht zu einem Stillhalter. Settlement ist die anschließende Erfüllung. Diese Vorgänge sind getrennt. Europäische Optionen können grundsätzlich nur zum festgelegten Termin ausgeübt werden; sie können jedoch meist vorher am Markt geschlossen werden. Amerikanische Optionen können je nach Vertrag früher ausübbar sein.
Automatische Ausübung, Exercise by Exception, gegenteilige Weisungen und Cut-off-Zeiten unterscheiden sich nach Clearingstelle, Broker und Produkt. Eine Multi-Leg-Position wird nicht zwingend als Einheit abgewickelt. Das vollständige Verfahren steht in Ausübung, Zuteilung und Abwicklung.
Asymmetrische Risiken von Käufer und Stillhalter
Der Käufer kann die gezahlte Prämie verlieren, wenn die Option wertlos verfällt. Der Stillhalter erhält die Prämie, übernimmt aber eine Verpflichtung und kann Margin nachschießen müssen. „Begrenztes Risiko“ gilt nur, wenn alle für diese Grenze notwendigen Legs vorhanden, ausführbar und rechtlich sowie operativ wirksam bleiben. Liquidität, Gap-Risiko, vorzeitige Zuteilung und Kontraktanpassungen können den Pfad belasten, obwohl der terminale Payoff einfach aussieht.
Wirtschaftliche Anwendungen umfassen Absicherung, bedingte Teilnahme, Ertragsprofile und relative Preisbeziehungen. Der Name der Strategie sagt nichts darüber, ob sie zum Ziel, Zeithorizont oder Verlustbudget eines Anlegers passt. Multi-Leg-Strategien müssen als Summe ihrer Bestandteile analysiert werden.
Prüfliste
- Sind Basiswert, Typ, Strike, Verfall, Stil und Währung eindeutig?
- Sind Multiplikator, Deliverable, Settlement und Kapitalmaßnahmen geprüft?
- Werden Payoff, Prämie, Kosten und Mark-to-market getrennt?
- Sind Bid, Ask, Timestamp und handelbare Größe dokumentiert?
- Sind Ausübung, Cut-off, Zuteilung und Margin im konkreten Markt bekannt?
- Werden Modellwert, Quote und tatsächlicher Fill nicht verwechselt?
Quellen
- The Options Clearing Corporation, Characteristics and Risks of Standardized Options — Rechte, Pflichten, Kontraktspezifikationen, Ausübung und Risiken standardisierter Optionen.
- U.S. Securities and Exchange Commission, Investor.gov, An Introduction to Options — einführende Darstellung von Call, Put, Prämie und asymmetrischen Risiken.
- U.S. Securities and Exchange Commission, Investor.gov, Opening an Options Trading Account — Freigaben, Kenntnisse und Risiken vor dem Optionshandel.
- Commodity Futures Trading Commission, Futures Market Basics — Kontraktspezifikationen und der Unterschied zwischen Futures- und Optionspositionen.
- European Securities and Markets Authority, MiFID II, Annex I — Lists of services and activities and financial instruments — regulatorische Einordnung derivativer Finanzinstrumente im EU-Rahmen.