Für wen ist dieser Artikel gedacht? — Für alle, die den schwersten historischen Verlust entlang eines Vermögenspfads messen und Tiefe, Dauer und Erholungszeit auseinanderhalten wollen.
Der Maximum Drawdown (MDD) ist der größte beobachtete Rückgang von einem vorherigen Höchststand zu einem späteren Tief innerhalb eines festgelegten Zeitraums. Er ist pfadabhängig: Gleiche Mittelrendite und Volatilität können je nach Reihenfolge unterschiedliche Drawdowns erzeugen. MDD wird als negativer Verlust oder positive Verlusthöhe berichtet; die Vorzeichenkonvention muss sichtbar sein. Er ist weder Zukunftsverlustschätzung noch operatives Limit.
In diesem Artikel wird der laufende Drawdown in der Formel als negativer Wert
DDₜ ≤ 0 geführt. Wird die Verlusthöhe als positiver Betrag
berichtet, ist sie |MDD| = −MDD ≥ 0. Beide Schreibweisen beschreiben
dieselbe beobachtete Episode; sie dürfen in Tabellen und Quotienten nicht ohne
Kennzeichnung vermischt werden.
Formel
Mit Vermögen Wₜ und laufendem Hoch:
Mₜ = max(W₀, W₁, …, Wₜ)DDₜ = Wₜ / Mₜ − 1MDD = minₜ DDₜAls positive Höhe wird |MDD| verwendet. Ohne unberücksichtigte
Cashflows entsteht die Kurve aus Wₜ = W₀ × ∏(1+rₜ); eine einfache
Summe periodischer Renditen kann einen anderen Pfad erzeugen.
Episode, Daten und Fenster
Ein Drawdown-Ereignis braucht Hoch- und Tiefdatum, Tiefe, Zeit vom Hoch zum Tief, gesamte Zeit unter dem Hoch, Erholungsdatum und Hinweis auf einen am Stichprobenende offenen Verlust. „Duration“ kann Abwärtsphase oder gesamte Unterwasserphase meinen; die Definition ist anzugeben.
Ein- und Auszahlungen sind keine Rendite. Dividenden, Kupons, Gebühren, Basiswährung, FX-Hedge und Bewertungsfrequenz verändern die Kurve. Monatswerte können ein Intramonth-Tief übersehen; geglättete illiquide Bewertungen können Tiefe und Volatilität künstlich senken. Anlegervermögen und unitisierter Manager-Track-Record beantworten unterschiedliche Fragen.
Mit längerem identischem Fenster kann die positive MDD-Höhe nur steigen oder gleich bleiben. Ein Dreijahres- und Zwanzigjahres-Track-Record sind deshalb nicht ohne abgestimmte Periode vergleichbar. Magdon-Ismail et al. zeigen im Brownian-Motion-Modell eine Abhängigkeit von Horizont, Drift und Volatilität; das begründet keinen universellen Faktor wie „live stets 1,5- oder 2-mal Backtest-MDD“.
Beispiel und Einsatz
Eine Kurve läuft von 100 auf 125, fällt auf 90 und steigt auf 130:
DD = 90 / 125 − 1 = −28 %Vom Tief 90 sind 125/90 − 1 ≈ 38,89 % zur Erholung nötig, nicht
28 %. Die 130 schließen die Episode. Ein Cashflow vor 130 müsste von der
Performance getrennt werden.
MDD beschreibt die schwerste Stichprobenerfahrung, unterstützt Liquiditäts- und Mandatsbeurteilung und fließt in den Calmar Ratio ein. Er zeigt weder Häufigkeit, durchschnittlichen Drawdown, Verluste jenseits der Stichprobe noch Wiederholungswahrscheinlichkeit. Ergänzend gehören Verteilung, Dauer, Szenarien, Volatilität, Expected Shortfall und Liquidität in die Analyse.
Vergleich und laufende Überwachung
Für einen fairen Vergleich müssen Kurven dieselbe Periode, Frequenz, Basiswährung, Kosten- und Cashflow-Behandlung verwenden. Ein täglicher Backtest kann tiefere Zwischentiefs zeigen als ein monatlich bewerteter Fonds; das macht die eine Strategie nicht automatisch riskanter, sondern zunächst die Daten granularer. Live- und Backtestkurven sollten getrennt bleiben, weil Modellannahmen, Slippage und verfügbare Informationen verschieden sind.
In der laufenden Überwachung ist neben dem historischen Maximum auch der aktuelle Drawdown mit Beginn, bisherigem Tief und Dauer zu berichten. Ein noch kleiner, aber sehr langer Verlust kann operativ relevanter sein als ein kurzer größerer Einbruch. Szenarien fragen zusätzlich, wie die heutige Positionierung auf Schocks reagieren würde; sie ersetzen MDD nicht, schließen aber die Lücke zwischen beobachtetem Pfad und möglichem künftigem Verlust.
Verlust und Erholung sind asymmetrisch
Die zur Erholung nötige Rendite wächst überproportional mit der Verlusthöhe.
Allgemein verlangt ein Drawdown mit positiver Höhe d vom Tief aus
eine Rendite von d/(1−d). Nach 50 % Verlust sind 100 % Gewinn nötig;
nach 75 % Verlust 300 %. Diese Arithmetik sagt nichts über die Wahrscheinlichkeit
oder Dauer der Erholung, macht aber die wirtschaftliche Bedeutung tiefer
Drawdowns sichtbar.
Ein Portfolio kann außerdem neues Kapital erhalten, bevor das frühere Hoch erreicht wird. Für den Manager-Track-Record darf die Einzahlung nicht die Erholung vortäuschen; eine unitisierte, cashflowbereinigte Kurve ist nötig. Für den Anleger bleibt der absolute Vermögenspfad dennoch relevant. Beide Sichten können gleichzeitig berichtet werden, wenn ihre unterschiedlichen Fragen klar benannt sind.
Typischer Fehler — Den historischen MDD als größtmöglichen Verlust zu behandeln. Er ist nur das schlechteste beobachtete Ereignis; ein neuer Pfad kann tiefer oder länger ausfallen.
Quellen
- Malik Magdon-Ismail et al., On the Maximum Drawdown of a Brownian Motion (2004) — Definition und Modellabhängigkeit von Horizont, Drift und Volatilität.
- CFA Institute, Portfolio Performance Evaluation — 2026 refresher reading — Maximum Drawdown, Dauer und Appraisal-Grenzen.
- CFA Institute, Sculpting Investment Portfolios: Maximum Drawdown and Optimal Portfolio Strategy — MDD, Drawdown-Verteilung und Calmar.
- GIPS Standards, Handbook for Firms — Bewertungen, Renditen, Cashflows und Disclosure.
- CFA Institute, Investment Manager Selection — 2026 refresher reading — Drawdown und Dauer in der Managerbewertung.