Ganz einfach — Ein Drawdown misst, wie weit der aktuelle Wert unter seinem bisherigen Hoch liegt. Er endet erst, wenn dieses Hoch wieder erreicht ist.
Der Drawdown beschreibt den Rückgang einer Kapitalkurve, eines Portfolios oder eines Preises von einem zuvor erreichten Höchststand. Er ist eine Pfadkennzahl: Die Reihenfolge der Gewinne und Verluste zählt.
Berechnung
Sei Vₜ der Wert zum Zeitpunkt t und
Hₜ = maxᵤ≤ₜ(Vᵤ) das bisherige Hoch. Als positiver Verlustbetrag
kann der relative Drawdown geschrieben werden:
Dₜ = 1 − Vₜ / HₜDer Maximum Drawdown ist der größte beobachtete Wert von Dₜ im
gewählten Zeitraum. Manche Datenanbieter verwenden ein negatives Vorzeichen.
Vor Vergleichen müssen daher Definition, Zeitraum, Frequenz, Währung, Gebühren
und Cashflows vereinheitlicht werden.
Tiefe, Dauer und Erholung
Ein Rückgang um 20 % benötigt anschließend 25 % Gewinn, um das Ausgangsniveau zu erreichen. Je tiefer der Drawdown, desto größer die prozentuale Erholung. Die Dauer misst dagegen die Zeit unter dem vorherigen Hoch. Ein flacher, sehr langer Rückgang kann operativ und psychologisch anders belastend sein als ein kurzer tiefer Einbruch.
Ein laufender Drawdown ist noch nicht abgeschlossen. Sein späteres Tal und seine Dauer sind unbekannt. Ein historischer Maximum Drawdown ist lediglich das größte Ereignis in der beobachteten Stichprobe, keine Obergrenze für die Zukunft.
Was Vergleiche verzerrt
Monatliche Daten können Intraday- oder Tagesverluste verbergen. Ein kurzer Backtest kann seltene Regime auslassen. Einzahlungen und Auszahlungen dürfen nicht wie Anlageerträge behandelt werden. Glatte oder illiquide Bewertungen können Rückgänge künstlich verkleinern. Bei mehreren Währungen beeinflusst auch die Umrechnung den Pfad.
Typischer Fehler — Aus einem einzigen historischen Maximum Drawdown abzuleiten, dass ein bestimmter zusätzlicher Puffer künftig immer genügt.
Anwendung im Risikoprozess
Drawdown ergänzt Volatilität, Szenarioverluste und Liquiditätsmessung. Ein Limit kann Überprüfung, Reduktion oder Aussetzung auslösen, muss aber Datenquelle, Messfrequenz und Eskalation nennen. Die Verbindung zum Ruinrisiko ist wichtig: große Verluste senken die Kapitalbasis und erschweren die Erholung, sind aber nicht automatisch „Ruin“ im mathematisch definierten Sinn.
Quellen
- C. Magdon-Ismail et al., On the Maximum Drawdown of a Brownian Motion.
- Chekhlov, Uryasev und Zabarankin, Drawdown Measure in Portfolio Optimization.