Einfach gesagt — Bid ist der beste sichtbare Kaufpreis, Ask der beste sichtbare Verkaufspreis. Ihre Differenz ist der quotierte Spread. Der tatsächlich erhaltene Preis kann besser oder schlechter sein; deshalb ist der Quote-Abstand nicht automatisch der gesamte Ausführungspreis.
Der Bid-Ask-Spread ist der Abstand zwischen bestem Kaufpreis (Bid) und bestem Verkaufspreis (Ask oder Offer) eines Instruments auf einem Markt zu einem Zeitpunkt:
quotierter Spread = bestes Ask − bestes Bid
Die Rechnung ist nur sinnvoll, wenn beide Quotes denselben Informationsumfang haben: Instrument, Währung, Venue oder Venue-Gruppe, Zeitstempel und Handelsbedingungen. In fragmentierten Märkten können bestes Bid und Ask von verschiedenen Venues stammen; OTC können Dealer, angefragte Menge und Kundenbeziehung den Quote beeinflussen.
Bid, Ask, Midpoint und Basispunkte
Der Midpoint ist das arithmetische Mittel der besten Quotes:
Midpoint = (bestes Bid + bestes Ask) / 2
Bei Bid 99,98 und Ask 100,02 beträgt der Midpoint 100,00 und der absolute Spread 0,04. Relativ zum Midpoint sind das vier Basispunkte:
relativer Spread in bps = Spread / Midpoint × 10.000
Eine Market-Kauforder trifft normalerweise die Ask-Seite, eine Market- Verkaufsorder die Bid-Seite. Reicht die beste Menge nicht, durchläuft die Order mehrere Stufen des Orderbuchs und ihr Durchschnitt weicht vom Top of Book ab.
Ein Markt kann zeitweise locked sein, wenn Bid gleich Ask ist, oder crossed, wenn Bid über Ask liegt. Fragmentierung, Feed-Latenz, Marktmechanik oder Übergangszustände können dies erzeugen. Ein negativer angezeigter Spread ist nicht automatisch eine ausführbare Arbitrage; zuerst müssen Zugänglichkeit, Zeitabgleich und Datenregeln geprüft werden.
Drei Spreadmaße beantworten drei Fragen
Der quotierte Spread misst die Distanz sichtbarer bester Quotes zu einem Zeitpunkt. Der effektive Spread vergleicht Fillpreis und Referenz-Midpoint und verdoppelt die einseitige Abweichung, damit er mit einem vollen Spread vergleichbar ist. Der realisierte Spread vergleicht den Fill mit einem späteren Midpoint und untersucht, was nach einem festgelegten Horizont beim Liquiditätsanbieter verblieb.
Nach der in SEC-Execution-Quality-Statistiken verwendeten Konvention gilt:
Buy Effective Spread = 2 × (Fillpreis − Midpoint)
Sell Effective Spread = 2 × (Midpoint − Fillpreis)
Midpoint und Timestamp müssen der gewählten Methodik entsprechen. Rule 605 definiert sie für bestimmte US-Wertpapiere und Orders; das ist keine universelle Regulierungsmethode für Futures, FX, Krypto oder OTC.
Beim realisierten Spread ersetzt der spätere Midpoint den Anfangs-Midpoint. Das hilft, adverse Selektion nach dem Trade zu untersuchen. Es ist weder der Gewinn des Traders noch zwingend inklusive Gebühren und Hedges. Das Resultat ändert sich mit dem Beobachtungshorizont.
Rechenbeispiel und Doppelzählung
Bei Bid 99,98, Ask 100,02 und Midpoint 100,00 beträgt der Quote-Spread 0,04
oder vier bps. Ein Kauf zu 100,01 erhält gegenüber dem Ask eine
Preisverbesserung von 0,01. Sein effektiver Spread ist
2 × (100,01 − 100,00) = 0,02, also zwei bps. Die einseitige Abweichung vom
Midpoint beträgt einen Basispunkt.
Die Faustregel „halber Spread“ gilt nur bei Ausführung genau zum besten Quote und symmetrischem Midpoint. Ein sofortiger Kauf am Ask und sofortiger Verkauf am Bid überquert vor Gebühren und Marktbewegung den ganzen Spread. Price Improvement, mehrere Book-Stufen oder Quote-Änderungen während des Routings verändern den Wert.
Wird Slippage bereits gegen den Midpoint gemessen, ist das Überqueren des Spreads im Ergebnis enthalten. Den Spread zusätzlich als separaten Kostenposten zu addieren würde denselben Effekt doppelt zählen.
Warum sich der Spread verändert
Der Spread kompensiert unter anderem Preisrisiko während eines offenen Quotes, Handel gegen besser informierte Orders, Inventar- und Hedge-Risiko des Market Makers, Volatilität, Tick Size, Konkurrenz, Ordergröße, Tageszeit sowie Gebühren und Anreize der Venue.
„Der Market Maker verdient den Spread“ ist daher unvollständig. Er kann Differenzen zwischen Käufen und Verkäufen realisieren, trägt aber Inventarrisiko, adverse Selektion, Technologie- und Absicherungskosten. Der realisierte Spread kann deutlich kleiner als der quotierte oder negativ sein.
Ein enger Spread zeigt oft gute Tightness für kleine Mengen nahe dem Midpoint. Er beweist nicht genügend Tiefe für eine große Order oder schnelle Erholung nach einem Schock. Das sind andere Dimensionen der Marktliquidität.
Datengrenzen und Vergleichsgrenzen
Die Plattform kann den letzten empfangenen Quote, nur eine Venue oder einen indikativen Preis zeigen. Level 1 enthält keine Tiefe hinter den besten Quotes; verdeckte Menge, Icebergs und nicht erfasste Venues fehlen. Auch die Größe am Bid oder Ask kann vor Ankunft der Order verschwinden.
Ein reproduzierbarer Vergleich nennt absoluten oder relativen Spread, Venue und Feed, Sitzung und Sampling-Frequenz, Bezugsgröße, Umgang mit locked, crossed oder fehlenden Quotes sowie Verteilung statt nur eines Snapshots. Absolute Einheiten einer Zehn-Euro-Aktie und eines in Punkten quotierten Futures sind nicht direkt vergleichbar.
Für konkrete Transaktionskosten müssen Spread, Book-Tiefe, reale Fills, Gebühren und Benchmark zusammengeführt werden.
Typischer Fehler — Den angezeigten Spread als sicheren Gesamtkostenbetrag zu behandeln. Das Ergebnis hängt auch von Menge, Ordertyp, Latenz, Tiefe, Venue und Referenzpreis ab.
Quellen
- SEC, Investor.gov — Bid Price/Ask Price
- SEC — Frequently Asked Questions: Rule 605 of Regulation NMS
- SEC — Release No. 34-43590, Disclosure of Order Execution and Routing Practices
- BIS — Structural Aspects of Market Liquidity from a Financial Stability Perspective