Zum Inhalt springen

Bid-Ask-Spread: quotiert, effektiv und realisiert

Der Bid-Ask-Spread ist die Differenz zwischen bestem Ask und bestem Bid desselben Marktbilds. Quotierter, effektiver und realisierter Spread messen unterschiedliche Aspekte von Kosten und Ausführungsqualität.

Diesen Eintrag zitieren

Diese Literaturangabe zitiert den Cyclepedia-Eintrag. Die verwendeten Dokumente stehen im Quellenverzeichnis des Eintrags.

Einfach gesagt — Bid ist der beste sichtbare Kaufpreis, Ask der beste sichtbare Verkaufspreis. Ihre Differenz ist der quotierte Spread. Der tatsächlich erhaltene Preis kann besser oder schlechter sein; deshalb ist der Quote-Abstand nicht automatisch der gesamte Ausführungspreis.

Der Bid-Ask-Spread ist der Abstand zwischen bestem Kaufpreis (Bid) und bestem Verkaufspreis (Ask oder Offer) eines Instruments auf einem Markt zu einem Zeitpunkt:

quotierter Spread = bestes Ask − bestes Bid

Die Rechnung ist nur sinnvoll, wenn beide Quotes denselben Informationsumfang haben: Instrument, Währung, Venue oder Venue-Gruppe, Zeitstempel und Handelsbedingungen. In fragmentierten Märkten können bestes Bid und Ask von verschiedenen Venues stammen; OTC können Dealer, angefragte Menge und Kundenbeziehung den Quote beeinflussen.

Drei Maße des Bid-Ask-Spreads Quote, Fill und spätere Marktbewegung beantworten verschiedene Fragen. q = +1 beim Kauf; q = −1 beim Verkauf. P ist der Fill; m_ref die Referenz; m_τ der Midpoint nach τ. Drei Maße des Bid-Ask-Spreads Quote, Fill und spätere Marktbewegung beantworten verschiedene Fragen q = +1 beim Kauf; q = −1 beim Verkauf. P ist der Fill; m_ref die Referenz; m_τ der Midpoint nach τ. 1 Quotiert Bestes Ask minus bestes Bid im gleichen Marktbild. 2 Effektiv 2q(P − m_ref): Die vorzeichenbehaftete Abweichungwird verdoppelt. 3 Realisiert 2q(P − m_τ): Horizont τ ab der Ausführung. 4 Gesamtkosten Tiefe und Gebühren kommen für die Ordergröße hinzu. Didaktische Darstellung. Produktregeln, Zeitstempel und reale Fills im Originalsystem prüfen.
Top of Book und Midpoint beschreiben eine Quote-Momentaufnahme. Effektiver und realisierter Spread benötigen zusätzlich Fillpreis, Seite und definierten Zeitpunkt.

Bid, Ask, Midpoint und Basispunkte

Der Midpoint ist das arithmetische Mittel der besten Quotes:

Midpoint = (bestes Bid + bestes Ask) / 2

Bei Bid 99,98 und Ask 100,02 beträgt der Midpoint 100,00 und der absolute Spread 0,04. Relativ zum Midpoint sind das vier Basispunkte:

relativer Spread in bps = Spread / Midpoint × 10.000

Die Normalisierung in Basispunkte setzt hier einen positiven Midpoint voraus.

Eine Market-Kauforder trifft normalerweise die Ask-Seite, eine Market- Verkaufsorder die Bid-Seite. Reicht die beste Menge nicht, durchläuft die Order mehrere Stufen des Orderbuchs und ihr Durchschnitt weicht vom Top of Book ab.

Ein Markt kann zeitweise locked sein, wenn Bid gleich Ask ist, oder crossed, wenn Bid über Ask liegt. Fragmentierung, Feed-Latenz, Marktmechanik oder Übergangszustände können dies erzeugen. Ein negativer angezeigter Spread ist nicht automatisch eine ausführbare Arbitrage; zuerst müssen Zugänglichkeit, Zeitabgleich und Datenregeln geprüft werden.


Drei Spreadmaße beantworten drei Fragen

Der quotierte Spread ist der Abstand zwischen den besten sichtbaren Quotes zu einem Zeitpunkt. Der effektive Spread vergleicht den Ausführungspreis mit einem Referenz-Midpoint und verdoppelt die einseitige Abweichung. Der realisierte Spread verwendet einen späteren Midpoint; sein Zeitintervall beginnt bei der Ausführung.

Dabei ist P der Ausführungspreis, m_ref der Referenz-Midpoint und m_τ der Midpoint τ nach der Ausführung:

E = 2q(P − m_ref); R_τ = 2q(P − m_τ)

Die Seite gehört zur bewerteten Order: q = +1 beim Kauf und q = −1 beim Verkauf. Es wird kein Absolutbetrag gebildet. Die einseitigen Preiskosten gegenüber dem Benchmark betragen E/2.

Der realisierte Spread hilft, spätere Preisbewegungen und mögliche adverse Selektion gegenüber dem Liquiditätsanbieter zu untersuchen. Er ist nicht der Gewinn des Traders, schließt Provisionen und Absicherungskosten aus und hängt vom Horizont ab.

SEC-Geltungsbereich am 8. September 2026 geprüft. Rule 605 verlangt monatliche Ausführungsqualitätsberichte über covered orders in NMS stocks von erfassten Market Centers und Broker-Dealern, nicht über sämtliche Orders oder Instrumente. Die Änderungen von 2024 haben den Compliance-Termin 1. August 2026. Maßgeblich ist der Midpoint der national besten Quotes (NBBO) bei Eingang oder erstmaliger Ausführbarkeit je nach Ordertyp, nicht automatisch beim Fill. Die Horizonte des realisierten Spreads sind 50 ms, 1 s, 15 s, 1 min und 5 min nach Ausführung. Die Staff-FAQ vom 1. April 2026 erläutert die Anwendung, ist aber selbst keine Rechtsnorm. Diese Berichtspflichten gelten nicht automatisch für Futures, FX, Krypto oder OTC.


Rechenbeispiel und Doppelzählung

Bei Bid 99,98, Ask 100,02 und Midpoint 100,00 beträgt der Quote-Spread 0,04 oder vier bps. Ein Kauf zu 100,01 erhält gegenüber dem Ask eine Preisverbesserung von 0,01. Sein effektiver Spread ist 2 × (100,01 − 100,00) = 0,02, also zwei bps. Die einseitige Abweichung vom Midpoint beträgt einen Basispunkt.

Bei einem separaten Verkauf zu 99,99 beträgt die Verbesserung gegenüber dem Bid ebenfalls 0,01 und der effektive Spread 2 × (100,00 − 99,99) = 0,02. In beiden Szenarien sei der Midpoint nach 15 Sekunden 100,03:

Bewertete Order Effektiver Spread Realisierter Spread nach 15 s
Kauf zu 100,01 0,02 2 × (100,01 − 100,03) = −0,04
Verkauf zu 99,99 0,02 2 × (100,03 − 99,99) = 0,08

Die Beträge gelten je Einheit vor Provisionen. Die spätere Bewegung schadet dem Anbieter, der im ersten Fall verkauft hat, und begünstigt den Anbieter, der im zweiten gekauft hat; sie misst keine tatsächliche Glattstellung seiner Position.

Die Faustregel „halber Spread“ gilt nur bei Ausführung genau zum besten Quote und symmetrischem Midpoint. Ein sofortiger Kauf am Ask und sofortiger Verkauf am Bid überquert vor Gebühren und Marktbewegung den ganzen Spread. Price Improvement, mehrere Book-Stufen oder Quote-Änderungen während des Routings verändern den Wert.

Wird Slippage bereits gegen den Midpoint gemessen, ist das Überqueren des Spreads im Ergebnis enthalten. Den Spread zusätzlich als separaten Kostenposten zu addieren würde denselben Effekt doppelt zählen.


Warum sich der Spread verändert

Der Spread kompensiert unter anderem Preisrisiko während eines offenen Quotes, Handel gegen besser informierte Orders, Inventar- und Hedge-Risiko des Market Makers, Volatilität, Tick Size, Konkurrenz, Ordergröße, Tageszeit sowie Gebühren und Anreize der Venue.

„Der Market Maker verdient den Spread“ ist daher unvollständig. Er kann Differenzen zwischen Käufen und Verkäufen realisieren, trägt aber Inventarrisiko, adverse Selektion, Technologie- und Absicherungskosten. Der realisierte Spread kann deutlich kleiner als der quotierte oder negativ sein.

Ein enger Spread zeigt oft gute Tightness für kleine Mengen nahe dem Midpoint. Er beweist nicht genügend Tiefe für eine große Order oder schnelle Erholung nach einem Schock. Das sind andere Dimensionen der Marktliquidität.


Fortgeschritten: Datengrenzen und Vergleichsgrenzen

Die Plattform kann den letzten empfangenen Quote, nur eine Venue oder einen indikativen Preis zeigen. Level 1 enthält keine Tiefe hinter den besten Quotes; verdeckte Menge, Icebergs und nicht erfasste Venues fehlen. Auch die Größe am Bid oder Ask kann vor Ankunft der Order verschwinden.

Ein reproduzierbarer Vergleich nennt absoluten oder relativen Spread, Venue und Feed, Sitzung und Sampling-Frequenz, Bezugsgröße, Umgang mit locked, crossed oder fehlenden Quotes sowie Verteilung statt nur eines Snapshots. Absolute Einheiten einer Zehn-Euro-Aktie und eines in Punkten quotierten Futures sind nicht direkt vergleichbar.

Für konkrete Transaktionskosten müssen Spread, Book-Tiefe, reale Fills, Gebühren und Benchmark zusammengeführt werden.

Typischer Fehler — Den angezeigten Spread als sicheren Gesamtkostenbetrag zu behandeln. Das Ergebnis hängt auch von Menge, Ordertyp, Latenz, Tiefe, Venue und Referenzpreis ab.


Quellen

Quellen am 8. September 2026 abgerufen. Die Beispiele je Ausführung sind didaktische Cyclepedia-Rechnungen und bilden keinen monatlichen Rule-605-Bericht nach.

Verwandte Themen