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Orderbuch: Bid, Ask und sichtbare Markttiefe

Ein Orderbuch erfasst sichtbare Limit Orders eines Marktes oder Datenfeeds. Es zeigt Bid, Ask und verfügbare Tiefe, aber weder sämtliche Liquidität noch die künftige Preisrichtung.

Für wen dieser Artikel gedacht ist — Für alle, die verstehen wollen, was hinter bestem Bid und Ask liegt, weshalb eine Order mehrere Preisstufen verbraucht und welche Informationen ein Book nicht zeigt.

Ein Orderbuch oder Limit Order Book registriert passive Limit Orders eines bestimmten Handelsplatzes. Auf der Bid-Seite stehen Kaufangebote, auf der Ask-Seite Verkaufsangebote. Bestes Bid und bestes Ask bilden das Top of Book; ihr Abstand ist der Bid-Ask-Spread.

Einfach gesagt — Das Book ist eine laufend aktualisierte Momentaufnahme der sichtbaren wartenden Liquidität. Es ist nicht „der ganze Markt“: Venue, Feed, gekaufte Tiefe und Verzögerung begrenzen das Bild.

Orderbuch: sichtbare Tiefe beider Seiten Bid und Ask zeigen wartende Menge eines bestimmten Feeds und Marktes. Verdeckte Orders, andere Venues und spätere Änderungen fehlen im Snapshot. Orderbuch: sichtbare Tiefe beider Seiten Bid und Ask zeigen wartende Menge eines bestimmten Feeds und Marktes Verdeckte Orders, andere Venues und spätere Änderungen fehlen im Snapshot. 1 Bestes Bid Höchster sichtbarer Kaufpreis mitgemeldeter Menge. 2 Bestes Ask Niedrigster sichtbarer Verkaufspreis mitgemeldeter Menge. 3 Mehrere Stufen Tiefe bestimmt Kosten größerer aggressiverOrders. 4 Verdeckte Reserve Icebergs können mehr Gesamtmenge alssichtbar enthalten. Didaktische Darstellung. Produktregeln, Zeitstempel und reale Fills im Originalsystem prüfen.
Sichtbare Menge je Preisstufe. Verdeckte Orders, andere Handelsplätze und bereits gelöschte Angebote fehlen in derselben Momentaufnahme.

Welche Felder im Book stehen

Das Book ändert sich, wenn eine Order hinzugefügt, geändert, gelöscht oder ausgeführt wird. Typische Felder sind Bid- und Ask-Preis, sichtbare Menge, manchmal die Anzahl der Orders sowie Zeitstempel oder Sequenznummer. Nur Order-by-Order-Feeds können einzelne Orderkennungen und deren Reihenfolge enthalten.

Eine marketable Order trifft vorhandene Liquidität und handelt ganz oder teilweise. Sie bleibt für diesen Anteil nicht als passives Angebot im Buch. Eine nicht marketable Limit Order kann dagegen eingestellt, verringert, umgepreist oder storniert werden, bevor überhaupt ein Fill erfolgt. Das Book ist daher kein Lager unveränderlicher Zusagen, sondern ein Ereignisstrom.


L1, Markttiefe, MBP und MBO

„Ich sehe das Orderbuch“ kann sehr unterschiedliche Daten bedeuten. Level 1 zeigt nur bestes Bid, bestes Ask und die dort gemeldeten Mengen. Depth of Book oder Level 2 umfasst mehrere Preisstufen. Market by Price (MBP) aggregiert Menge je Preis. Market by Order (MBO) hält einzelne Orders und, wenn der Feed dies zulässt, ihre Sequenz auseinander.

Die Matching-Regel — etwa Preis-Zeit oder Pro-rata — folgt dem Rulebook der Venue und lässt sich nicht zuverlässig aus einer grafischen Leiter ableiten. Auch die Reichweite des Feeds ist begrenzt: NYSE-, Nasdaq- oder Globex-Daten beschreiben den jeweiligen Markt, nicht automatisch alle Orte, an denen das Instrument gehandelt wird.


Tiefe, Spread und erwarteter Ausführungspreis

Der Spread beschreibt den unmittelbaren Preisabstand nur für eine Menge, die am besten Preis verfügbar ist. Ist eine aggressive Order größer, kann sie mehrere Stufen durchlaufen; dieser Vorgang heißt Book Walking.

Beispiel: Im Ask liegen 100 Stück zu 10,01, 200 zu 10,02 und 500 zu 10,04. Eine Market-Kauforder über 250 Stück wird nicht zwingend vollständig zu 10,01 ausgeführt. Sie kann 100 zu 10,01 und 150 zu 10,02 erhalten — vor Gebühren, Latenz und späteren Book-Änderungen. Sichtbare Tiefe ist deshalb nur eine Dimension der Marktliquidität. Iceberg-Reserven, Dark Pools, andere Venues, neue Orders und Löschungen können den Ausgang ändern.


Imbalance ist kein einfaches Richtungssignal

Queue Imbalance vergleicht sichtbare Tiefe beider Seiten zu einem Zeitpunkt. Order-Flow Imbalance (OFI) betrachtet dagegen dynamische Änderungen durch neue Limits, Löschungen und Trades nahe den besten Quotes.

Cont, Kukanov und Stoikov fanden für eine Aktien-Stichprobe und kurze Horizonte einen Zusammenhang zwischen Preisänderungen und OFI; in weniger tiefen Books war die Sensitivität größer. Das ist ein bedingtes empirisches Ergebnis, kein Versprechen, dass ein statisches Mengenübergewicht die nächste Preisrichtung vorhersagt.

Ein großer sichtbarer Auftrag, oft „Wall“ genannt, beweist Absorption erst dann, wenn Ausführungen gegen das Niveau und verbleibende oder neu aufgebaute Menge beobachtet werden. Seine bloße Anwesenheit genügt nicht: Er kann reduziert oder gelöscht werden.


Grenzen und mögliche Manipulation

Fragmentierung verteilt Aktivität über Venues und Feeds. Verdeckte Liquidität fehlt, Latenz macht das empfangene Book womöglich veraltet und begrenzte Feeds zeigen nur wenige Stufen. Passive Orders sind zudem stornierbar.

Spoofing setzt die Absicht voraus, Orders einzustellen, die vor der Ausführung gelöscht werden sollen, um ein irreführendes Bild von Angebot oder Nachfrage zu erzeugen. Layering beschreibt ein verwandtes Muster, bei dem mehrere solche Orders auf verschiedenen Preisstufen derselben Book-Seite scheinbare Tiefe aufbauen. Eine einzelne Löschung oder eine Staffel legitimer Limit Orders beweist weder Spoofing noch Layering. Dafür müssen unter anderem Abfolge, Wiederholung, Ausführungen auf der Gegenseite und der Regelkontext rekonstruiert werden.

Für eine reproduzierbare Analyse müssen Venue und Instrument, Feedtyp L1/MBP/ MBO, Zahl der Stufen, Zeitstempel und bekannte Latenz sowie die eigene Ordermenge dokumentiert werden. Ohne diesen Kontext lässt sich aus derselben Book-Grafik eine scheinbar präzise, aber nicht prüfbare Geschichte bauen.

Typischer Fehler — Eine große sichtbare Menge als sicheren Support oder Widerstand zu behandeln. Vor dem Fill kann sie verschwinden, verborgen ergänzt oder von größerem Fluss überrannt werden.


Quellen

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