Einfach erklärt — Die große Bewegung liefert den Kontext, die mittlere korrigiert ihn, und die tägliche Schwankung enthält lokale Information und viel Rauschen. Alle drei können gleichzeitig wirken.
Definitionen in den Quellen
Nelson beschreibt die primäre Bewegung als große Schwankung von etwa vier bis sechs Jahren, die sekundäre als Bewegung von zehn bis sechzig Tagen und die tägliche als Veränderung von einem Tag zum nächsten. Hamilton definiert die primäre Bewegung später als mindestens ein Jahr, häufig länger, und die sekundäre als Reaktion im Bullenmarkt oder Rally im Bärenmarkt.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Zeitspannen sind historische Beobachtungen. Sie ändern sich bereits zwischen den Quellen und sind keine Naturkonstanten.
Bewegungen innerhalb von Bewegungen
Im Kapitel „Swings Within Swings“ steht die Gleichzeitigkeit im Mittelpunkt. Eine kurzfristig bullische und langfristig bearishe Aussage muss kein Widerspruch sein.
In einer primären Aufwärtsbewegung kann ein Rückgang sekundär bleiben, solange sich die Hauptstruktur nicht ändert. In einer primären Abwärtsbewegung kann ein Anstieg nur eine Rally sein. Bleibt der Kontext offen und liegen die Durchschnitte in einer engen Spanne, kann eine Linie vorliegen, deren Bedeutung erst nach der Auflösung klarer wird.
Die primäre Bewegung erkennen
Hamilton beobachtet Folgen in den Durchschnitten. Ein Bullenmarkt zeigt fortschreitende Hochs und Tiefs; ein Bärenmarkt neue Tiefs und Erholungen, die die vorherige Struktur nicht wiederherstellen. Eine primäre Wende verlangt eine Zickzackfolge, nicht nur einen Handelstag.
Beide Durchschnitte müssen die Richtung bestätigen. Die modernen Kürzel HH, HL, LH und LL beschreiben diese Struktur gut, stehen aber nicht als formaler Code in den Originalwerken.
Wann sich die sekundäre Funktion ändert
Nach einer sekundären Rally im Bärenmarkt kann eine Reaktion oberhalb der alten Tiefs, gefolgt vom Überschreiten des Rallyhochs, auf eine neue primäre Aufwärtsbewegung hindeuten. Die Folge muss in den Durchschnitten erscheinen und bestätigt werden; der erste Sprung reicht nicht.
Damit wird keine Dauer vorhergesagt. Das Barometer kann eine Strukturänderung erkennen, ohne zu wissen, wie lange sie anhält.
Fortgeschritten: Unterschied zur Zeiteinheit
Ein Timeframe bezeichnet die Datenaggregation, etwa fünf Minuten, eine Stunde oder einen Tag. Dows Bewegungen beschreiben dagegen eine wirtschaftliche und verhaltensbezogene Hierarchie auf Marktdurchschnitten.
Die Begriffe primär, sekundär und täglich auf einen Intraday-Chart zu übertragen, ist bereits eine moderne Anpassung. Ein reproduzierbares Protokoll muss Index oder Asset, Frequenz, Pivotregel, Trennung von Reaktion und Rauschen sowie Bestätigung offenlegen.
Häufiger Fehler — Vier bis sechs Jahre oder zehn bis sechzig Tage als Pflichtparameter verwenden. Schon die Quellen widersprechen dem.
Quellen
- S. A. Nelson, The A B C of Stock Speculation, 1903, Kap. VII–VIII, Internet Archive.
- William Peter Hamilton, The Stock Market Barometer, 1922, Kap. I und XIII, Internet Archive.