Einfach erklärt — Solange die Schlusskurse in der Spanne bleiben, herrscht Gleichgewicht zwischen Käufern und Verkäufern. Der Ausbruch zeigt die stärkere Seite, gewinnt aber erst durch Bestätigung des anderen Durchschnitts Gewicht.
Historische Definition
Bei Hamilton ist eine Linie eine Folge von Schlusskursen, die über einen bedeutenden Zeitraum in einer relativ engen Spanne bleibt. Sie beschreibt ein vorübergehendes Gleichgewicht und kann einer sekundären oder primären Bewegung vorausgehen.
Vier Elemente zählen: erkennbare Grenzen, ausreichende Dauer über eine zufällige Pause hinaus, tatsächliche Aktivität innerhalb der Spanne und eine Auflösung. Hamilton nennt weder einen universellen Prozentsatz für die Breite noch eine feste Zahl von Sitzungen. Der Fall von 1914 dauerte mehr als sechzig Sitzungen, bleibt aber ein Beispiel.
Akkumulation oder Distribution
Vor dem Ausbruch sind beide Ergebnisse möglich. Bei Akkumulation wird Angebot aufgenommen und die Auflösung erfolgt nach oben. Bei Distribution nimmt die vorhandene Nachfrage Verkäufe nur vorübergehend auf und die Auflösung erfolgt nach unten.
Erst die spätere Richtung weist der Linie rückblickend ihren Charakter zu. Dadurch wird nicht jede Konsolidierung nahe Tiefs zur Akkumulation und nicht jede Pause nahe Hochs zur Distribution.
Ausbruch und Bestätigung
Der Ausbruch eines Durchschnitts beendet die Lesart nicht. Hamilton verlangt die Bestätigung des anderen, auch wenn sie an einem anderen Tag oder in einer anderen Woche eintritt.
Bleiben beide in der Spanne, ist das Gleichgewicht offen. Verlässt nur einer sie, ist der Hinweis vorläufig. Verlassen beide sie gleichgerichtet, ist der Ausbruch bestätigt. Kehrt einer zurück und der andere bestätigt nicht, wird der erste Hinweis geschwächt.
Der Ausbruch bestimmt weder Kursziel noch Dauer; er zeigt eine Änderung des beobachteten Gleichgewichts.
Volumen als relative Aktivität
Hamilton spricht von angemessenem Handelsvolumen innerhalb der Spanne, betont aber dessen Relativität. Dieselbe Aktienzahl kann in einem Umfeld wichtig und in einem anderen unbedeutend sein.
Es gibt daher kein historisches Volumenvielfaches für alle Märkte. Eine moderne Regel auf Basis des Durchschnittsvolumens kann getestet werden, ist aber keine Originalformulierung.
Fortgeschritten: Wyckoff und moderne Ranges
Die Dow-Linie geht Begriffen wie Range, Akkumulation und Distribution voraus. Die Wyckoff-Tradition entwickelt später eine deutlich ausführlichere Grammatik aus Phasen, Ereignissen, Tests und Ursache-Wirkung.
Die Begriffe sind nicht austauschbar: Hamilton arbeitet vor allem mit Durchschnitten; Wyckoff untersucht Preis, Volumen und Struktur eines Marktes oder Titels. Phasen A–E, Spring und Upthrust gehören nicht zur Dow-Formulierung. Auch ein Intraday-Ausbruch kann eine Range verlassen, ohne eine historische Dow-Linie zu sein.
Häufiger Fehler — Die Ursache vor der Auflösung behaupten. „Starke Hände akkumulieren“ ist eine Hypothese; die Spanne beschreibt nur beobachtetes Gleichgewicht.
Quellen
- William Peter Hamilton, The Stock Market Barometer, 1922, Kap. I und XV, Internet Archive.
- S. A. Nelson, The A B C of Stock Speculation, 1903, Kap. IX, Internet Archive.