Zum Inhalt springen

Value at Risk (VaR)

Quantil einer geschätzten Verlustverteilung für einen festgelegten Umfang, Horizont und Konfidenzgrad. VaR ist keine maximale Verlustgrenze.

Ganz einfach — VaR markiert eine Schwelle in einer geschätzten Verlustverteilung. Er sagt nicht, wie groß Verluste jenseits dieser Schwelle werden.

Der Value at Risk ist ein Quantil. Für eine Verlustvariable L und ein Niveau α kann er definiert werden als:

VaRα(L) = inf {x : P(L ≤ x) ≥ α}

Ein Tages-VaR von 18.000 € bei 95 % bedeutet: Nach Daten, Bewertungen und Modell wird dieser Verlust in mindestens 95 % der geschätzten Fälle nicht überschritten. Größere Verluste bleiben möglich. Der VaR ist weder ein Worst Case noch eine garantierte Verlustobergrenze.

VaR und Expected Shortfall beantworten andere Fragen Das Quantil setzt eine Schwelle; der bedingte Mittelwert beschreibt den Verlust dahinter. TAIL-RISIKO VaR und Expected Shortfall beantworten andere Fragen Das Quantil setzt eine Schwelle; der bedingte Mittelwert beschreibt den Verlust dahinter. 1 VaR-Quantil Verlustschwelle für den gewählten Anteil derModellverteilung. 2 Verbleibender Tail VaR allein zeigt die Größe der Verluste hinterder Schwelle nicht. 3 Expected Shortfall Bedingter Mittelwert der Verluste im ausgewähltenTail. 4 Validierung Backtesting und Stress prüfen unterschiedlicheModellgrenzen. Cyclepedia · interaktive Lernkarte · Quellen und Grenzen im Artikel
VaR setzt die Schwelle; Expected Shortfall betrachtet die Verluste dahinter.

Ohne Koordinaten ist die Zahl unvollständig

Jeder VaR braucht einen eindeutig bezeichneten Portfolioumfang, eine Verlusteinheit, einen Horizont, ein Konfidenzniveau, einen Bewertungszeitpunkt und eine Methode. „VaR 100.000“ ohne diese Angaben lässt sich nicht prüfen. Ändert man nur eine Koordinate, kann sich das Ergebnis wesentlich ändern.

Regulatorische Parameter gelten für den jeweils beschriebenen Rahmen. Sie werden nicht dadurch zu einer universellen Einstellung für jedes private oder institutionelle Portfolio.

Drei verbreitete Schätzwege

Historische Simulation wendet beobachtete Faktorbewegungen auf das heutige Portfolio an; ihr Ergebnis hängt stark vom Zeitfenster ab. Parametrische Verfahren beschreiben Verteilungen und Abhängigkeiten mit gewählten Parametern; „parametrisch“ bedeutet nicht zwingend normalverteilt. Monte-Carlo-Verfahren erzeugen viele modellierte Pfade oder Schocks und bewerten das Portfolio neu. Sie erlauben komplexe Strukturen, übernehmen aber sämtliche Modellannahmen.

Bei Optionen und anderen nichtlinearen Payoffs kann eine lineare Approximation gerade in großen Bewegungen versagen. Datenqualität, Preisverfahren, Liquiditätshorizont und Behandlung fehlender Werte gehören deshalb zur Methodendokumentation.

Backtesting richtig einordnen

Eine Ausnahme liegt vor, wenn der konsistent definierte beobachtete Verlust den prognostizierten VaR überschreitet. Der bloße Zähler genügt nicht: Niveau, Stichprobengröße, P&L-Definition, zeitliche Abhängigkeit und Modelländerungen müssen mitgelesen werden. Baseler Schwellen für bestimmte 250-Tage-Tests sind für diesen Rahmen konstruiert, nicht als allgemeine Monatsregel.

Backtesting diagnostiziert Unterschiede zwischen Modell und Beobachtung. Es beweist keine künftige Sicherheit. Unerwartete Ausnahmen können aus Daten, Bewertung, Implementierung, Regimewechsel oder Modellrisiko entstehen.

Was ergänzend geprüft wird

VaR zeigt nicht die durchschnittliche Schwere jenseits der Schwelle; dafür dient der Expected Shortfall. Außerhalb der Stichprobe liegende Schocks, sprunghafte Korrelationen, Marktliquidität, Funding und operative Ausfälle benötigen Stresstests und Szenarioanalysen. Auch Diversifikationseffekte im VaR bleiben vom verwendeten Abhängigkeitsmodell abhängig.

Typischer Fehler — VaR als „maximal erwarteten Verlust“ zu erklären. Er ist ein bedingtes Quantil und beschreibt die Größe der noch schlechteren Ergebnisse gerade nicht.

Quellen

Weiterführende Themen