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Expected Shortfall (ES)

Durchschnittlicher Verlust im ungünstigen Teil einer geschätzten Verteilung jenseits eines gewählten Quantils. Auch ES bleibt modell- und datenabhängig.

Ganz einfach — Während VaR die Tür zum schlechten Rand der Verteilung markiert, fragt Expected Shortfall: Wie groß ist der Verlust dort im Mittel?

Der Expected Shortfall ist eine Tail-Risikokennzahl. In einem stetigen einfachen Fall entspricht ES auf Niveau α dem bedingten Mittel der Verluste, die den VaR auf diesem Niveau überschreiten:

ESα = E[L | L ≥ VaRα]

Bei diskreten Verteilungen und Massenpunkten braucht die Definition eine präzisere Quantilbehandlung. Das ist nicht nur Mathematik: Bei wenigen großen Verlustbeobachtungen kann die Art, wie Beobachtungen an der Schwelle gewichtet werden, das Resultat verändern.

VaR und Expected Shortfall beantworten andere Fragen Das Quantil setzt eine Schwelle; der bedingte Mittelwert beschreibt den Verlust dahinter. TAIL-RISIKO VaR und Expected Shortfall beantworten andere Fragen Das Quantil setzt eine Schwelle; der bedingte Mittelwert beschreibt den Verlust dahinter. 1 VaR-Quantil Verlustschwelle für den gewählten Anteil derModellverteilung. 2 Verbleibender Tail VaR allein zeigt die Größe der Verluste hinterder Schwelle nicht. 3 Expected Shortfall Bedingter Mittelwert der Verluste im ausgewähltenTail. 4 Validierung Backtesting und Stress prüfen unterschiedlicheModellgrenzen. Cyclepedia · interaktive Lernkarte · Quellen und Grenzen im Artikel
Beide Größen beziehen sich auf dieselbe geschätzte Verlustverteilung, beantworten aber unterschiedliche Fragen.

VaR und ES nicht vertauschen

VaR gibt ein Quantil an. ES mittelt den ungünstigen Bereich hinter diesem Quantil. Zwei Portfolios können denselben VaR besitzen, aber sehr verschiedene Expected Shortfalls, wenn eines viel schwerere Tail-Verluste aufweist.

ES ist unter üblichen Bedingungen eine kohärente Risikomaßzahl und kann Diversifikation konsistenter abbilden als ein allgemeiner VaR. Daraus folgt nicht, dass jede ES-Schätzung korrekt oder stabil ist. Kohärenz ist eine Eigenschaft der mathematischen Maßzahl, keine Garantie der verwendeten Daten.

Was eine ES-Angabe enthalten muss

Wie beim VaR werden Portfolio, Verlustdefinition, Einheit, Horizont, Konfidenzniveau, Bewertungsdatum und Methode genannt. Hinzu kommt die Frage, wie der Tail erzeugt wird: historische Beobachtungen, parametrische Verteilung, Simulation oder eine Mischung daraus. Ohne diese Koordinaten ist „ES 50.000“ nicht vergleichbar.

Das Problem knapper Tail-Daten

Bei 250 Tagesbeobachtungen bilden die schlechtesten 2,5 % nur wenige Werte. Ein einzelner Ausreißer kann das Mittel stark bewegen; fehlt ein relevantes Stressregime, kann das Ergebnis zu niedrig erscheinen. Längere Fenster liefern mehr Daten, können aber veraltete Strukturen enthalten. Modellierte Tails erweitern den Bereich, übernehmen dafür Verteilungs- und Abhängigkeitsannahmen.

Backtesting von ES ist anspruchsvoller als das Zählen einfacher Quantilüberschreitungen. Eine Validierung kombiniert statistische Diagnostik, P&L-Abstimmung, Benchmarkmodelle und Untersuchung einzelner großer Verluste.

Keine vollständige Verlustlandkarte

ES fasst einen Ausschnitt in einem Durchschnitt zusammen. Er zeigt nicht, welches konkrete Szenario den Verlust erzeugt, ob Positionen liquidierbar sind oder wann Sicherheiten benötigt werden. Ein sehr seltener Verlust außerhalb des modellierten Bereichs kann weiterhin fehlen. Deshalb ergänzen Stresstest, Szenarioanalyse und Liquiditätsprüfung die Kennzahl.

Typischer Fehler — Expected Shortfall als schlechtesten möglichen Verlust zu lesen. Er ist ein Mittelwert innerhalb eines modellierten Tails, nicht dessen äußerstes Ende.

Quellen

Weiterführende Themen