Ganz einfach — DV01 übersetzt eine sehr kleine Zinsbewegung in Geld: Wie verändert sich der Positionswert ungefähr, wenn die Rendite um einen Basispunkt steigt?
DV01 (Dollar Value of One Basis Point) und PV01 bezeichnen in vielen
Kontexten die lokale monetäre Wertänderung bei einer Renditeverschiebung von
einem Basispunkt. Ein Basispunkt entspricht 0,0001 in dezimaler
Rendite.
Berechnung durch Neubewertung
Eine klare Vorzeichenkonvention für einen Aufwärtsschock lautet:
signed DV01 = P(y + 0,0001) − P(y)Bei einer gewöhnlichen Long-Anleihe ist dieser Wert meist negativ, weil der
Preis bei steigender Rendite fällt. Manche Systeme berichten stattdessen den
positiven Verlustbetrag DV01_abs = P(y) − P(y + 0,0001). Vor jedem
Vergleich muss geklärt werden, welche Konvention gilt.
Eine symmetrische Neubewertung kann die lokale Ableitung stabiler schätzen:
DV01 ≈ [P(y − 0,0001) − P(y + 0,0001)] / 2Beziehung zur Duration
Mit Marktwert P und modifizierter Duration D_mod gilt
für kleine parallele Schocks näherungsweise:
signed position DV01 ≈ −D_mod × P × 0,0001DV01 ist deshalb nicht „gleich Duration“. Duration ist eine relative Sensitivität, DV01 ein Geldbetrag in einer Währung. Der Zusammenhang setzt dieselbe Rendite- und Schockdefinition voraus.
Portfolio und Hedge Ratio
Kompatible DV01-Werte können addiert werden. Ein Portfolio-DV01 nahe null zeigt eine geringe Sensitivität gegenüber dem definierten parallelen kleinen Schock. Es kann dennoch stark auf unterschiedliche Kurvenpunkte, Credit Spreads, Konvexität oder Basisbewegungen reagieren.
Für eine einfache lokale Absicherung kann eine Hedge-Stückzahl aus dem Verhältnis von zu neutralisierendem DV01 und DV01 des Hedgeinstruments abgeleitet werden. Kontraktmultiplikator, Vorzeichen, Währung und tatsächliche handelbare Rundung müssen einbezogen werden. Ein Hedge-Verhältnis ist lokal und verändert sich mit Preis, Zeit und Kurve.
Key-Rate- und Bucket-Sicht
Ein Gesamt-DV01 unterstellt häufig eine parallele Bewegung. In der Praxis bewegen sich zwei-, fünf- und zehnjährige Renditen unterschiedlich. Key-Rate- oder Bucket-DV01 ordnet die Sensitivität Laufzeitbereichen zu. So wird sichtbar, wenn sich positive und negative Kurvenexposures im Gesamtwert nur zufällig aufheben.
Grenzen der linearen Kennzahl
Bei größeren Schocks gewinnt Konvexität an Bedeutung. Eingebettete Optionen können Cashflows und Sensitivitäten verändern. Liquidität, Funding und Gegenparteirisiko sind nicht im DV01 enthalten. Die Kennzahl wird deshalb mit vollständiger Neubewertung und Szenarioanalyse ergänzt.
Typischer Fehler — DV01 ohne Vorzeichen, Währung oder Schockumfang zu melden. Ein positiver Betrag kann Verlustkonvention oder Wertänderung bedeuten; beides darf nicht vermischt werden.
Futures und Kontraktgröße
Bei einem Zinsfuture wird der DV01 pro Kontrakt aus Produktspezifikation, Preis und gegebenenfalls dem lieferbaren Korb abgeleitet. Der nominell gleiche Kontrakt kann über die Zeit eine andere Zinssensitivität besitzen. Eine Hedge- Ratio wird deshalb mit aktuellem Kontrakt-DV01 und nicht nur mit Nominalwerten berechnet. Nach Rundung auf ganze Kontrakte bleibt ein Residual-DV01, das im Report sichtbar ist und gegen ein Toleranzband geprüft wird.
Quellen
- CME Group, How Can You Measure Risk in Treasuries?.
- CME Group, Understanding the Importance of Basis Point Value.
- CME Group, Using Treasury Futures to Replace Swap Exposure.
- Basel Framework, MAR21 — Standardised approach sensitivities.
- Basel Framework, SRP98 — Interest rate risk in the banking book.