Zum Inhalt springen

Anleihekonvexität

Lokale zweite Ableitung des Anleihepreises nach der Rendite. Sie ergänzt die lineare Duration-Näherung, bleibt aber modell- und schockabhängig.

Ganz einfach — Duration zeichnet eine gerade Tangente an die Preis-Rendite-Kurve. Konvexität beschreibt, wie stark sich diese Steigung verändert, wenn die Rendite bewegt wird.

Die Anleihekonvexität ist eine lokale Krümmungskennzahl. Für einen Preis P(y) als Funktion einer Rendite y kann eine normalisierte Konvexität vereinfacht geschrieben werden:

C = (1/P) × ∂²P / ∂y²

Konventionen unterscheiden sich nach Renditedefinition, Periodisierung und Skalierung. Ein Wert ist nur zusammen mit diesen Angaben vergleichbar.

Duration, Konvexität und monetäre Änderung Die Steigung liefert die lineare Näherung; Krümmung verbessert sie; DV01 nennt den Betrag in Währung. ZINSRISIKO Duration, Konvexität und monetäre Änderung Die Steigung liefert die lineare Näherung; Krümmung verbessert sie; DV01 nennt den Betrag in Währung. 1 Macaulay Duration Barwertgewichteter durchschnittlicher Zeitpunktder Cashflows. 2 Modifizierte Duration Lineare Näherung der relativen Preisänderung. 3 Konvexität Term zweiter Ordnung für die Änderung der lokalenSteigung. 4 DV01 Lokale Geldänderung bei 0,0001 Renditebewegung. Cyclepedia · interaktive Lernkarte · Quellen und Grenzen im Artikel
Der zweite Term verbessert die lokale Näherung, ersetzt bei großen oder komplexen Schocks aber keine Vollbewertung.

Die Näherung zweiter Ordnung

Mit modifizierter Duration D_mod lautet eine verbreitete lokale Approximation:

ΔP/P ≈ −D_mod × Δy + ½ × C × (Δy)²

Der Durationterm reagiert auf die Richtung des Renditeschocks. Der quadratische Konvexitätsterm trägt bei positiven und negativen Δy dasselbe Vorzeichen wie C. Bei kleinen Bewegungen kann er gering sein; mit größerem Schock wächst seine Bedeutung.

Positive und negative Konvexität

Viele einfache festverzinsliche Anleihen ohne eingebettete Optionen besitzen im üblichen Bereich positive Konvexität: Bei gleich großen Renditebewegungen ist der Preisanstieg bei fallenden Renditen größer als der Preisrückgang bei steigenden Renditen, sofern andere Bedingungen gleich bleiben.

Konvexität ist jedoch nicht immer positiv. Kündbare Anleihen oder hypothekenbesicherte Instrumente können negative Konvexität zeigen, weil sich erwartete Cashflows bei fallenden Renditen verändern. Auch Bewertungsannahmen und der betrachtete Bereich beeinflussen das Ergebnis.

Effektive Messung bei veränderlichen Cashflows

Wenn Cashflows vom Zinsniveau abhängen, wird Konvexität häufig durch symmetrische Neubewertung geschätzt:

C_eff ≈ (P_− + P_+ − 2P_0) / (P_0 × (Δy)²)

Diese Kennzahl übernimmt das Preismodell, die Optionsannahmen und die gewählte Schockgröße. Verschiedene Systeme können deshalb abweichende Werte für dasselbe Instrument liefern.

Portfolio- und Hedgingeinsatz

Duration-neutrale Positionen können unterschiedliche Konvexität besitzen. Damit kann ein Hedge bei einer kleinen Bewegung passen und bei einer größeren Bewegung auseinanderlaufen. Portfolios werden deshalb nicht nur nach Gesamt- DV01, sondern auch nach Kurvenpunkten, Konvexität, Credit Spread und Optionen geprüft.

Konvexität besitzt auch einen Preis: Ein Instrument mit günstigerer Krümmung kann bei sonst ähnlichen Bedingungen anders bewertet sein. Die Kennzahl allein ist weder Kaufargument noch Renditeprognose.

Grenzen

Duration und Konvexität sind lokale Ableitungen. Nichtparallele Kurvenschocks, große Spreadbewegungen, Liquidität und Modellwechsel können die Näherung dominieren. Für materielle Entscheidungen wird die approximierte Änderung mit vollständiger Szenariobewertung verglichen.

Typischer Fehler — Konvexität stets als positiv und vorteilhaft zu beschreiben. Eingebettete Optionen können negative oder zustandsabhängige Krümmung erzeugen.

Numerische Prüfung

Bei effektiver Konvexität hängt das Resultat von der gewählten symmetrischen Schockgröße ab. Ein zu kleiner Schock kann Rundungs- und Modellrauschen verstärken; ein zu großer Schock misst nicht mehr nur lokale Krümmung. Deshalb werden mehrere kleine Schocks verglichen und die Approximation gegen direkt neu bewertete Preise getestet. Unterschiede werden nach Renditekonvention, Cashflowänderung und Preisverfahren erklärt. Diese Prüfung ist besonders bei Instrumenten wichtig, deren Optionsausübung sich nahe einer Schwelle stark ändert.

Quellen

Weiterführende Themen