Für wen dieser Artikel gedacht ist — Für alle, die zuerst verstehen müssen, was ein Vertrag verspricht, bevor sie über Hebel, Laufzeit oder Kursrichtung sprechen.
Ein Derivat ist ein Vertrag, dessen Wert von einem Basiswert, Zinssatz, Index, Ereignis oder einer anderen Referenz abhängt. Es vermittelt nicht zwingend Eigentum am Basiswert. Stattdessen entstehen Rechte und Pflichten aus der Kontraktspezifikation.
Einfach gesagt — „Derivat“ bezeichnet eine Familie, kein einzelnes Produkt. Future, Option, Swap und CFD besitzen unterschiedliche Payoffs und Risiken.
Fünf Fragen vor dem Produktnamen
- Basiswert oder Referenz: Aktie, Index, Zinssatz, Währung, Kredit, Rohstoff oder etwas anderes?
- Payoff: linear, optional, bedingt oder Tausch von Zahlungsströmen?
- Dauer: Verfall, Ausübung, Verlängerung oder Schließung nach welchen Regeln?
- Abwicklung: Lieferung, Geldzahlung, Margin und Mark-to-Market?
- Gegenpartei und Infrastruktur: OTC-Vertrag oder Handel und Clearing nach den Regeln eines Handelsplatzes und einer Clearingstelle?
Wichtigste Familien
| Familie | Grundlegendes Recht oder grundlegende Pflicht |
|---|---|
| standardisierte Verpflichtung mit Verfall und Margin | |
| Forward | maßgeschneiderte OTC-Verpflichtung für einen späteren Termin |
| Recht des Käufers und Pflicht des Verkäufers bei Ausübung oder Zuteilung | |
| Swap | Austausch von Zahlungsströmen nach vereinbarten Terminen und Formeln |
| Ausgleich der Wertdifferenz gegenüber dem Anbieter |
Die genaue rechtliche Einstufung hängt von Vertrag und Rechtsordnung ab. Der Name des Basiswerts reicht nicht: Aktie, Aktienoption und Aktien-CFD sind nicht dasselbe Instrument.
Hebel, Margin und Verlust sind keine Synonyme
Viele Derivate erzeugen eine große wirtschaftliche Exponierung gegenüber dem anfänglich eingesetzten Kapital. Die Mechanik unterscheidet sich jedoch:
- Futures nutzen Initial Margin und täglichen Wertausgleich.
- Optionskäufer zahlen eine Prämie und besitzen einen nichtlinearen Payoff.
- Optionsverkäufer können ganz andere Pflichten und Marginanforderungen haben.
- CFD folgen den Margin- und Finanzierungsregeln des Anbieters.
- Swaps können nach Vereinbarung und Clearing Sicherheiten erfordern.
Hebel verstärkt Veränderungen des Eigenkapitals, misst aber nicht allein den Maximalverlust. Dafür sind Payoff, Nominalwert, Gaps, Liquidität, Close-out, Sicherheiten und Gegenparteirisiko gemeinsam zu untersuchen.
Handelsplatz und Gegenpartei
„Derivat“ bedeutet nicht automatisch OTC. Futures sind standardisiert und werden an organisierten Handelsplätzen gehandelt. Viele Optionen sind exchange-traded, während Forwards, Swaps und CFD OTC sein können. Clearing, Verwahrung, Intermediär, Emittent und Gegenpartei sind verschiedene Rollen.
Auch der Spotmarkt kann börslich oder OTC organisiert sein. Der zentrale Unterschied bleibt das gehaltene Recht und seine Abwicklung.
Ein Vergleichsbeispiel
Ein Aktienkorb kann durch einen Index beschrieben werden. Der Index ist eine Messgröße; ein ETF ein Fondsanteil; ein Future ein Vertrag mit Multiplikator, Margin und Verfall; eine Option fügt Strike und bedingten Payoff hinzu; ein CFD erzeugt eine Forderung oder Schuld gegenüber dem Anbieter. Ähnliche Exponierungen machen die Rechte nicht austauschbar.
Quellen
- European Securities and Markets Authority, MiFID II, Annex I — Lists of services and activities and financial instruments — EU-Kategorien für Optionen, Futures, Swaps, Forwards und weitere Derivate.
- Bank for International Settlements, About derivatives statistics — statistische Einteilung nach Basisrisiko und OTC-/Börsenmarkt.
- U.S. Commodity Futures Trading Commission, Futures Market Basics — Futures-Pflichten, Clearing, Margin und Abwicklung.
- U.S. Securities and Exchange Commission, Investor.gov, An Introduction to Options — Rechte und Pflichten bei Calls und Puts.