Einfach gesagt — Ein gekaufter Call und ein verkaufter Put mit demselben Strike und Verfall erzeugen am Ende dieselbe Preisabhängigkeit wie eine Forwardposition. Die Put-Call-Parität verbindet deshalb Optionen, Basiswert, Finanzierung und Strike — aber nur unter klaren Bedingungen.
Die Put-Call-Parität ist eine No-Arbitrage-Beziehung zwischen Portfolios mit gleichem terminalem Payoff. Sie ist keine Behauptung, jede sichtbare Preisdifferenz lasse sich risikolos handeln. Kontrakte, Ausührungsstil, Dividenden, Finanzierung, Borrow, Bid-Ask-Spreads, Margin und Settlement müssen zueinander passen.
Identität der Payoffs
Betrachtet werden ein europäischer Call C und Put P auf denselben Basiswert
mit identischem Strike K und Verfall T. Am Verfall gilt:
max(S_T − K, 0) − max(K − S_T, 0) = S_T − KLinks steht Long Call plus Short Put, rechts eine Long-Position im Basiswert
gegen die Verpflichtung, K am Verfall zu zahlen. Die Gleichheit lässt sich
Fall für Fall prüfen: Liegt S_T über K, ist der Call aktiv; liegt er
darunter, wirkt der verkaufte Put. In beiden Fällen entsteht S_T − K.
Wenn zwei Portfolios unter denselben Bedingungen dieselben künftigen Cashflows liefern, sollten ihre heutigen Werte in einem reibungslosen Markt übereinstimmen. Der Finanzierungsterm übersetzt den künftigen Strike in einen heutigen Wert.
Spot-Formel ohne und mit Dividenden
Für einen Basiswert ohne Ausschüttungen und einen konstant dargestellten risikofreien Zinssatz lautet die klassische Form:
C − P = S₀ − K·e^(−rT)K·e^(−rT) ist der Barwert des Strikes. Gleichwertig kann geschrieben
werden C + PV(K) = P + S₀. Links und rechts stehen Portfolios mit gleichem
terminalem Wert. Welche Zinskurve, Tageszählung und Collateral-Konvention
verwendet werden, ist Teil der Anwendung.
Bei bekannten diskreten Dividenden wird deren Barwert vom Spotbestandteil
abgezogen oder im Forward verarbeitet. Mit kontinuierlicher Rendite q lautet
eine verbreitete Form C − P = S₀ e^(−qT) − K e^(−rT). Tatsächliche
Dividenden sind vor allem bei Einzelaktien unsicher; eine falsche Annahme kann
wie eine Paritätsverletzung aussehen.
Forwardform und Optionen auf Futures
Mit dem zum Verfall passenden Forward F₀,T kann die Beziehung als
C − P = DF(0,T)·(F₀,T − K)geschrieben werden. DF ist der Diskontfaktor. Diese Form sammelt Finanzierung
und Ausschüttungen im Forward. Bei europäischen Optionen auf denselben Future
gilt eine analoge Beziehung, sofern Basis-Future, Strike, Verfall,
Optionsstil und Settlement übereinstimmen.
Eine Option auf einen Future ist nicht automatisch eine Option auf Spot. Der Deliverable kann bei Ausübung eine Future-Position sein. Optionsverfall und Future-Verfall können verschieden sein. Diese Vertragsdetails müssen vor jeder Formel geprüft werden.
Synthetische Positionen
Durch Umstellen entstehen Replikationen unter denselben Annahmen:
synthetischer Long Forward = Long Call + Short Put;synthetischer Long Call = Long Put + Long Forward;synthetischer Long Put = Long Call − Long Forward;synthetischer Basiswert = Long Call − Long Put + Barwert des Strikes.
„Synthetisch“ bedeutet gleicher modellierter Endpayoff, nicht identischer operativer Pfad. Margin, Cashflows, Dividendenrechte, Stimmrechte, Liquidität, Steuern, frühe Zuteilung und Kontrahentenstruktur können unterschiedlich sein. Eine synthetische Position ist daher eine Vergleichs- und Replikationsidee, keine Behauptung vollkommener Austauschbarkeit.
Conversion und Reversal kombinieren Basiswert, Call und Put, um relative Preisinkonsistenzen zu untersuchen. Ein theoretischer Abstand wird erst nach Bid-Ask-Seiten, Gebühren, Borrow, Finanzierung, Kapitalbindung und Ausführungsrisiko zu einer möglichen Gelegenheit.
Grenzen bei amerikanischen Optionen und realen Märkten
Bei amerikanischer Ausübung kann der Zeitpunkt des Exercise variieren. Die einfache europäische Gleichheit wird durch Schranken und angepasste Beziehungen ersetzt. Dividenden können frühe Call-Ausübung relevant machen; tiefe In-the-money Puts können unter bestimmten Finanzierungsbedingungen ebenfalls vorzeitig ausgeübt werden.
Reale Quotes bilden eine Bandbreite. Um eine Conversion zu kaufen, werden bestimmte Ask-Seiten benötigt; für die Gegenseite gelten Bids. Die Differenz zwischen synthetischem Bid und Ask kann größer sein als eine Mid-Abweichung. Legging und partielle Fills fügen Marktrisiko hinzu. Short-Sale-Beschränkungen, Borrowkosten und Margin können eine theoretische Replikation verhindern.
Parität und Volatilitätsoberfläche
Call und Put desselben Strikes tragen unter europäischen Bedingungen dieselbe relative Preisinformation. Werden aus inkonsistenten Forwards oder unterschiedlichen Quotenseiten getrennte IV berechnet, kann ein künstlicher Call-Put-Unterschied entstehen. Surface-Konstruktionen legen deshalb Regeln fest, welche Seite und welcher Kontrakt in welcher Moneynessregion verwendet werden.
Parität ist ein Diagnosewerkzeug für Daten, Forward und Dividenden. Eine Abweichung ist zunächst ein Anlass zur Prüfung, kein fertiges Handelssignal.
Prüfliste
- Haben Call und Put exakt denselben Basiswert, Strike und Verfall?
- Sind beide europäisch, oder wurden amerikanische Grenzen verwendet?
- Sind Dividenden, Forward, Zinskurve, Diskontierung und Settlement konsistent?
- Werden ausführbare Bid-Ask-Seiten statt nur Midpoints verglichen?
- Sind Borrow, Finanzierung, Gebühren, Margin und Steuern einbezogen?
- Wird eine synthetische Endauszahlung von operativer Gleichheit unterschieden?
- Sind Optionen auf Futures mit dem richtigen Future-Kontrakt verknüpft?
Ausführbare Paritätsbänder
In realen Quotes entsteht keine einzelne Gleichung, sondern ein Band. Für den Kauf eines synthetischen Forwards werden der Call-Ask und der Put-Bid benötigt; für den Verkauf die entgegengesetzten Seiten. Hinzu kommen Spot- oder Future-Quote, Finanzierung, Gebühren und Borrow. Erst wenn eine Abweichung das vollständige ausführbare Band übersteigt, ist eine weitere Arbitrageprüfung sinnvoll.
Alle Legs müssen in kompatibler Size gleichzeitig oder mit kontrolliertem Legging ausgeführt werden. Quote Size kann kleiner als die gewünschte Menge sein. Latenz und partielle Fills erzeugen offene Delta- und Finanzierungsrisiken, die in einer Midpoint-Gleichung nicht vorkommen.
Währung, Dividenden und Wertpapierleihe
Bei FX- und Cross-Currency-Produkten treten zwei Zinskurven und die Settlementkonvention des Währungspaars auf. Bei Aktien bestimmt der erwartete Dividendenpfad den Forward; Sonderdividenden und Kapitalmaßnahmen können den Kontrakt selbst anpassen. Eine historische Paritätsanalyse muss die damals verfügbaren Erwartungen verwenden, nicht die später bekannte Ausschüttung.
Short-Stock-Komponenten benötigen verfügbaren Borrow. Recall, steigende Leihgebühren oder ein Verbot können die Replikation beenden. Synthetischer und physischer Bestand haben außerdem nicht zwingend dieselben Stimm- und Dividendenrechte. Der gleiche terminale Preis-Payoff beseitigt diese operativen Unterschiede nicht.
Quellen
- Options Industry Council, Put/Call Parity — Spotbeziehung, Voraussetzungen, Conversion, Reversal und Synthetics.
- CME Group, Put-Call Parity — Parität für Optionen auf denselben Future, Strike und Verfall.
- CME Group, CME Options Workshop — Forwardform und Barwert der Differenz
F − K. - Fischer Black und Myron Scholes, The Pricing of Options and Corporate Liabilities, 1973 — Primärquelle zu Replikation und No-Arbitrage.
- The Options Clearing Corporation, Characteristics and Risks of Standardized Options — Ausübung, Zuteilung, Settlement und Vertragsrisiken.
- Options Industry Council, Option Price Behavior — relative Preise, innerer Wert und Put-Call-Parität.
- Cboe Options Institute, Options Definitions & Glossary — amerikanischer und europäischer Stil sowie Settlementbegriffe.