Ganz einfach — Ein Vertrag kann einen positiven Wert haben, doch dieser Wert wird nur realisiert, wenn die andere Partei ihre Verpflichtung erfüllt.
Das Kontrahentenrisiko ist das Risiko, dass eine Vertragspartei vor der endgültigen Abwicklung ausfällt oder nicht vertragsgemäß leistet. Bei Derivaten ist das Exposure oft bilateral und verändert sich mit Marktpreisen.
Aktuelles und künftiges Exposure
Aktuelles Exposure entsteht, wenn der Vertrag bei einem Ausfall einen positiven Wiederbeschaffungswert besitzt. Potenzielles künftiges Exposure schätzt, wie dieser Betrag bis zum Horizont wachsen könnte. Beide sind vom Nominalwert zu trennen: Ein großer Referenzbetrag kann eine kleine aktuelle Forderung haben, aber eine erhebliche mögliche Veränderung.
Das Exposure hängt von Preisbewegung, Laufzeit, Volatilität, Besicherung, Abrechnungsfrequenz und Close-out-Zeit ab. Eine einzige Momentaufnahme ist daher nicht der gesamte Risikopfad.
Netting und Sicherheiten
Rechtlich durchsetzbares Netting kann positive und negative Marktwerte innerhalb eines vereinbarten Netting-Sets zusammenführen. Sicherheiten reduzieren das ungedeckte Exposure, erzeugen aber Bewertungs-, Liquiditäts-, Verwahrungs- und operative Risiken. Haircuts, Mindesttransferbeträge und Nachschussfrequenz gehören zur Rechnung.
Netto null bedeutet nicht automatisch null Risiko. Unterschiede in Laufzeit, Währung, Settlement und rechtlicher Durchsetzbarkeit können verbleiben. Außerdem besteht eine margin period of risk zwischen letztem Austausch und vollständiger Schließung.
Wrong-Way Risk und Konzentration
Beim Wrong-Way Risk steigt das Exposure gerade dann, wenn die Kreditqualität der Gegenpartei sinkt. Ein Beispiel wäre eine Sicherheit, deren Wert eng mit dem Ausfall derselben Gruppe verbunden ist. Konzentration auf wenige Gegenparteien oder dieselbe Clearingstruktur kann Diversifikationsannahmen unterlaufen.
Zentrales Clearing verändert die Struktur: Die zentrale Gegenpartei tritt zwischen die Handelspartner und setzt Margin- sowie Default-Management-Regeln. Das beseitigt Risiko nicht, sondern transformiert und bündelt es in einer anderen Infrastruktur.
Praktische Kontrolle
Ein vollständiger Datensatz enthält Rechtsträger, Verträge, Netting-Sets, Sicherheiten, aktuelle Marktwerte, mögliche Exposures und Limits. Stresstests kombinieren Gegenparteiausfall mit ungünstiger Marktbewegung und verzögerter Schließung. Broker-, Custody- und Settlement-Rollen werden getrennt betrachtet, weil sie unterschiedliche Verpflichtungen tragen.
Typischer Fehler — Den Brokernamen als vollständige Gegenparteianalyse zu behandeln. Ausführung, Verwahrung, Clearing und vertraglicher Schuldner können verschiedene Stellen sein.
Quellen
- Basel Framework, CRE51 — Counterparty credit risk overview.
- Basel Framework, CRE52 — Standardised approach for CCR.
- Basel Framework, CRE54 — Counterparty credit risk mitigation.
- Basel Framework, CRE36 — Counterparty credit risk in the IRB approach.
- Federal Reserve, Interagency Supervisory Guidance on Counterparty Credit Risk Management.
- ESMA, EMIR Article 11 — Risk-mitigation techniques.
- CPMI-IOSCO, Principles for Financial Market Infrastructures.