Ganz einfach — Exposure beantwortet: „Worauf und wie stark reagiert mein Portfolio?“ Die Antwort kann in Euro, Prozent, Delta, DV01 oder einer anderen klaren Einheit stehen.
Exposure beschreibt die wirtschaftliche Verbindung einer Position zu einem Preis, Faktor, Emittenten oder Vertragspartner. Das Wort allein ist keine Kennzahl. Erst Messgröße, Einheit, Vorzeichen, Umfang und Zeitpunkt machen eine Angabe prüfbar.
Verschiedene Messweisen
Bei einer Aktie kann der Marktwert eine sinnvolle lineare Näherung sein. Bei Futures wird häufig der Nominalwert genutzt. Für Optionen zeigt Delta die lokale Reaktion auf eine kleine Bewegung des Basiswerts, während Gamma diese Reaktion selbst verändert. Bei Zinsinstrumenten messen Duration oder DV01 andere Aspekte als der Marktwert.
Gegenparteiexposure fragt nicht nach derselben Marktbewegung, sondern nach der Forderung, die bei Ausfall verloren gehen könnte. Ein Instrument kann daher gleichzeitig Markt-, Volatilitäts-, Zins-, Währungs- und Gegenparteiexposure tragen.
Long, Short, Brutto und Netto
Vorzeichen zeigen die lokale Richtung: Ein positives Aktienexposure profitiert in einer linearen Näherung von steigenden Kursen, ein negatives von fallenden. Brutto-Exposure addiert typischerweise absolute Beträge und zeigt den gesamten Umfang. Netto-Exposure verrechnet Vorzeichen und zeigt einen verbleibenden Richtungsbezug.
Netting ist nur sinnvoll, wenn Einheit, Faktor, Horizont und rechtlicher Umfang zusammenpassen. Eine Long-Aktie und eine Short-Option können bei einer kleinen Bewegung ein geringes Netto-Delta haben, aber wegen Gamma, Volatilität oder Gap weiter erhebliches Risiko besitzen.
Exposure ist nicht Verlust
Ein Exposure von 100.000 € bedeutet nicht automatisch einen möglichen Verlust von 100.000 €. Verlust hängt von Bewegung, Payoff, Liquidität, Kosten und Ausfall ab. Umgekehrt kann eine geringe aktuelle Sensitivität in einem nichtlinearen Instrument unter Stress stark wachsen.
Eine brauchbare Exposure-Zeile
Ein professioneller Report nennt Position oder Faktor, Kennzahl, Betrag, Währung, Vorzeichen, Bewertungszeitpunkt, Datenquelle und Modellversion. Aggregate werden auf Vollständigkeit und doppelte Erfassung abgestimmt. Szenarioanalysen prüfen, wie sich lokale Sensitivitäten bei größeren Bewegungen verändern.
Typischer Fehler — Marktwert, Nominalwert und Delta-Äquivalent unter derselben Überschrift zu addieren. Die Summe hat ohne gemeinsame Definition keine belastbare Bedeutung.
Faktorabbildung und Look-through
Ein Instrumentname ist nicht immer der wirtschaftliche Faktor. Ein ETF kann Aktien-, Währungs- und Konzentrationsexposure enthalten; ein Future kann neben dem Basiswert auch Basis- und Rollrisiko tragen. Look-through ordnet Positionen den tatsächlichen Treibern zu, ohne den rechtlichen Vertrag zu verlieren. Unbekannte oder nicht sauber zuordenbare Beträge bleiben als eigene Kategorie sichtbar. Das ist informativer als eine künstlich vollständige Zuordnung mit falscher Präzision.
Quellen
- U.S. SEC, Use of Derivatives by Registered Investment Companies.
- CFTC, Glossary.
- Basel Framework, MAR21 — Standardised approach sensitivities.
- Basel Framework, CRE51 — Counterparty credit risk overview.