Ganz einfach — Brutto-Exposure zählt Long und Short ohne gegenseitige Aufrechnung. Es zeigt, welcher Positionsumfang insgesamt bewegt und finanziert werden muss.
Das Brutto-Exposure addiert die absoluten Werte definierter Exposures. Bei einem einfachen linearen Portfolio kann gelten:
Brutto-Exposure = Σᵢ |Eᵢ|Dabei müssen alle Eᵢ dieselbe Bedeutung, Währung und denselben
Zeitpunkt haben. Die Formel ist keine Erlaubnis, Marktwerte, Nominalwerte und
Sensitivitäten zu vermischen.
Ein einfaches Beispiel
Ein Portfolio hält 120.000 € Long-Exposure und 80.000 € Short-Exposure in derselben definierten Einheit. Das Brutto-Exposure beträgt 200.000 €. Das Netto-Exposure beträgt +40.000 €. Beide Zahlen sind korrekt, beantworten aber verschiedene Fragen.
Die Bruttosicht zeigt Handels-, Funding- und Liquiditätsumfang. Selbst wenn Long und Short lokal gegeneinander wirken, müssen beide Positionen ausgeführt, besichert und gegebenenfalls gerollt werden.
Welche Einheit verwendet wird
Für Aktien kann Marktwert passen; bei Futures wird oft der Nominalwert gewählt. Bei Optionen kann ein Delta-äquivalenter Betrag eine lokale Marktrichtung abbilden, während der reine Nominalwert den Vertragsumfang zeigt. Brutto-DV01 oder Brutto-Vega sind wiederum eigene Sensitivitätsaggregate.
Ein Report sollte nicht einfach „Brutto 200 %“ zeigen. Er nennt Nenner — etwa Nettoinventarwert oder Eigenkapital — sowie Instrumentumfang, Bewertungsmethode und Behandlung von Cash, Sicherheiten und offenen Orders.
Warum Brutto nicht Gesamtrisiko ist
Brutto-Exposure ignoriert Diversifikation und Richtung, zeigt aber auch keine Nichtlinearität, Liquidität oder Ausfallwahrscheinlichkeit. Zwei Portfolios mit gleichem Brutto können sehr verschiedene Volatilität und Stressverluste haben. Ebenso kann ein geringes Brutto in einem konzentrierten oder sprunghaften Instrument riskanter sein als ein größeres, gut gestreutes lineares Portfolio.
Kontrollen und Aggregation
Die Daten werden nach Rechtsträger, Strategie, Markt, Währung und Gegenpartei geschnitten. Look-through verhindert, dass Fonds oder Derivate gemeinsame Faktoren verbergen. Doppelte Erfassung wird durch Abstimmung mit Positionen und Handelsbestätigungen vermieden. Zusätzlich werden Netto-Sensitivität, Szenarioverlust und Marginbedarf berichtet.
Typischer Fehler — Geringes Netto-Exposure als Beweis für geringes Risiko zu lesen und die große Brutto-Bilanz zu übersehen, die Liquidität, Basisrisiko und Gegenparteien beansprucht.
Derivate und mehrfache Sichten
Für Derivate werden Nominalbrutto, delta-äquivalentes Brutto und gegebenenfalls weitere Sensitivitäten getrennt ausgewiesen. Keine Sicht ist grundsätzlich die „richtige“ für jede Frage. Nominalwerte zeigen Vertragsumfang, Delta zeigt die lokale Richtung und Stresstests zeigen die Wirkung größerer Bewegungen. Ein Look-through nach Basiswert verhindert, dass wirtschaftlich ähnliche Positionen wegen verschiedener Vertragsformen in getrennten Kategorien verschwinden.
Quellen
- U.S. SEC, Use of Derivatives by Registered Investment Companies.
- CFTC, Glossary.
- Basel Framework, MAR21 — Standardised approach sensitivities.
- Basel Framework, CRE52 — Standardised approach for CCR.