Ganz einfach — Eine Position kann langfristig sinnvoll erscheinen und trotzdem scheitern, wenn heute Cash oder geeignete Sicherheiten fehlen.
Das Funding-Liquiditätsrisiko ist das Risiko, Zahlungen, Rückzahlungen oder Marginanforderungen nicht fristgerecht und zu tragbaren Kosten erfüllen zu können. Es betrifft die Finanzierbarkeit; das Marktliquiditätsrisiko betrifft die Handelbarkeit eines Instruments.
Wo der Bedarf entsteht
Typische Abflüsse sind Variation Margin, Kredittilgungen, Optionsausübung, Settlement, Rücknahmen und operative Zahlungen. Zuflüsse können Verkaufserlöse, freie Cashbestände, Kreditlinien oder freigegebene Sicherheiten sein. Entscheidend ist nicht nur der Gesamtbetrag, sondern die zeitliche Zuordnung und Währung.
Eine zugesagte Kreditlinie ist nicht identisch mit sofort verfügbarem Cash. Sie kann Bedingungen, Sicherheiten oder Kündigungsrechte enthalten. Ebenso ist ein Vermögenswert nicht automatisch nutzbare Sicherheit: Haircuts, Zulässigkeit, Standort und Verpfändung müssen berücksichtigt werden.
Margin und prozyklische Dynamik
Marktverluste senken das Eigenkapital. Gleichzeitig können Volatilität und Margin-Anforderungen steigen. Müssen dann Positionen verkauft werden, trifft hoher Verkaufsdruck auf geringere Markttiefe. Dieser Rückkopplungskreis verbindet Funding- und Marktliquidität, ohne die Begriffe gleichzusetzen.
Ein praktischer Liquiditätsplan
Der Plan ordnet erwartete Ein- und Auszahlungen nach Frist, Rechtsträger und Währung. Er kennzeichnet verfügbare, bereits gebundene und nur unter Bedingungen nutzbare Ressourcen. Konzentrationen bei Banken, Brokern, Clearinghäusern und Sicherheiten werden sichtbar gemacht.
Stresstests erhöhen Margin, verzögern Zuflüsse, senken Beleihungswerte und schränken den Verkauf ein. Ein Überlebenshorizont zeigt, wie lange Verpflichtungen unter dem Szenario bedient werden können. Der Horizont ist ein Modellresultat, keine Garantie.
Eskalation und Ausführung
Vorab definierte Warnstufen können zusätzliche Sicherheiten, weniger oder kleinere neue Positionen, verkürzte Laufzeiten oder eine geordnete Reduktion auslösen. Eine Notfallliste benennt Verantwortliche, Kommunikationswege und zulässige Quellen. Sie muss regelmäßig getestet werden, weil Zugriff und Marktbedingungen sich ändern.
Typischer Fehler — Alle liquiden Wertpapiere zum vollen Marktwert als sofort verfügbare Reserve zu zählen. Haircuts, Settlementzeit, Market Impact und rechtliche Bindung können den nutzbaren Betrag stark senken.
Intraday-Liquidität und Währungsbedarf
Tagesendsalden können kritische Stunden verdecken. Marginzahlungen und Abwicklungsbeträge werden zu bestimmten Zeiten fällig, während Verkaufserlöse oder Überweisungen später eingehen. Der Plan zeigt deshalb Zeitfenster innerhalb des Tages und verfügbare Zahlungswege. Fremdwährungsbedarf wird separat betrachtet: Ein ausreichender Eurobestand erfüllt keine sofortige Dollarverpflichtung, wenn der FX-Markt oder die Bankverbindung gestört ist.
Qualität des Liquiditätspuffers
Ein Puffer wird nach sofortiger Verfügbarkeit, Haircut, Währung, Rechtsbeschränkung und Marktliquidität gestaffelt. Bereits verpfändete Sicherheiten werden nicht doppelt gezählt. Konzentration bei einer einzigen Bank oder einem einzigen Verwahrer kann den nominal großen Puffer praktisch unzugänglich machen. Regelmäßige Mobilisierungstests prüfen, ob die operative Kette tatsächlich funktioniert.
Quellen
- Basel Committee, Principles for Sound Liquidity Risk Management and Supervision.
- European Central Bank, Market liquidity and financial stability.