Einfach gesagt — Eine Anlageklasse beschreibt, welche wirtschaftliche Exponierung übernommen wird. Das Instrument beschreibt, über welches Recht oder welchen Vertrag sie entsteht.
Anlageklassen sind Kategorien für Vermögenswerte mit ähnlichen wirtschaftlichen Merkmalen und Risikoquellen. Aktien, Anleihen und Liquidität sind in der Finanzbildung besonders verbreitet. Je nach Zweck kommen Rohstoffe, Immobilien, Währungen, digitale Vermögenswerte oder andere Exponierungen hinzu.
Es gibt keine einzige Einteilung, die für jede Analyse richtig ist. Eine Zentralbank, ein Vermögensverwalter, ein Broker und ein Trader können dasselbe Universum unterschiedlich unterteilen. Eine Taxonomie ist nur dann nützlich, wenn sie ihr Gruppierungskriterium offenlegt.
Klasse, Instrument, Markt und Strategie
Vier Ebenen werden häufig vermischt:
| Ebene | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Anlageklasse | Von welchem wirtschaftlichen Vorgang hängt die Exponierung ab? | Aktien |
| Instrument | Welches Recht oder welchen Vertrag halte ich? | ETF-Anteil |
| Markt oder Handelsplatz | Wo und nach welchen Regeln wird gehandelt? | regulierte Börse |
| Strategie | Wie wird die Exponierung gesteuert? | passive Replikation, Momentum, Absicherung |
Ein ETF ist für sich genommen keine Anlageklasse. Er ist ein börsengehandelter Fonds, der Aktien, Anleihen oder mehrere Klassen halten und je nach Struktur und Rechtsordnung andere Exponierungen herstellen kann. Auch ein Future ist ein Vertragstyp: Sein Basiswert kann ein Aktienindex, ein Zinssatz, eine Währung oder ein Rohstoff sein.
Eine wirtschaftliche Grundtaxonomie
| Klasse | Anspruch oder Exponierung | Quellen von Rendite oder Ergebnis | Vorherrschende Risiken |
|---|---|---|---|
| Risikokapital und Residualwert des Unternehmens | nicht garantierte Dividenden, Wertsteigerung oder Verlust | Unternehmen, Markt, Liquidität, Verwässerung | |
| Forderung gegen einen Emittenten | Zins und Rückzahlung nach Vertrag | Zins, Kredit, Inflation, Liquidität | |
| Liquidität und Geldmarkt | Geld oder sehr kurzfristige Forderung | gegebenenfalls Zinsen | Emittent oder Einlage, Inflation, Wiederanlage |
| relativer Wert einer Währung gegenüber einer anderen | Zinsdifferenz, Wechselkursänderung | Wechselkurs, Zins, Liquidität, Gegenpartei | |
| fungible physische Güter oder deren Preis | kein eigener Zahlungsstrom des Gutes; Ergebnis aus Preis und Vehikelstruktur | Angebot und Nachfrage, Lagerung, Futures-Kurve, Geopolitik | |
| Immobilien | Eigentum oder immobilienbezogene Forderung | Miete, Wertsteigerung oder Verlust | lokaler Zyklus, Zins, Hebel, Illiquidität |
| Digitale Vermögenswerte | Token, Netzwerkrechte oder Preisexponierung | abhängig von Protokoll und Instrument | Technologie, Verwahrung, Liquidität, Governance, Regulierung |
Die Tabelle legt keine dauerhafte Rangfolge für Rendite oder Sicherheit fest. Eine illiquide nachrangige Anleihe kann riskanter sein als eine sehr liquide Aktie. Ein Geldmarktpapier in Fremdwährung enthält Wechselkursrisiko. Ein gelisteter Immobilienfonds besitzt nicht dieselbe Liquidität wie die Immobilie, auf die er sich bezieht.
Nach Risikofaktoren klassifizieren
Für fortgeschrittene Analysen sind oft die Treiber aussagekräftiger als der Klassenname:
- Wachstum und Gewinne;
- Niveau und Veränderung der Zinsen;
- Bonität und Ausfallwahrscheinlichkeit;
- erwartete und unerwartete Inflation;
- Wechselkurs;
- Liquidität und Ausstiegskosten;
- Volatilität und Konvexität;
- Hebel und Refinanzierungsbedarf.
Zwei als „Anleihen“ bezeichnete Instrumente können gegensätzlich reagieren, wenn das eine eine lange Duration und hohe Bonität, das andere eine kurze Duration und hohes Ausfallrisiko besitzt. Ein Goldproduzent ist eine Unternehmensaktie, kein physisches Gold: Zum Metallpreis kommen Management, Kosten, Rechtsordnung und Finanzierungsstruktur des Unternehmens.
Verschiedene Klassen garantieren keine Diversifikation
Diversifikation bedeutet, das Ergebnis nicht auf eine einzige Exponierung zu konzentrieren. Verschiedene Etiketten beweisen jedoch nicht, dass die Risiken unabhängig sind.
Korrelation wird aus einer Stichprobe geschätzt, verändert sich im Zeitablauf und kann in Schocks steigen. Außerdem können mehrere ETF dieselben Wertpapiere halten, Aktien und Anleihen desselben Unternehmens das Emittentenrisiko teilen und verschiedene Rohstoffe auf denselben Dollar- oder Makroschock reagieren. Eine scheinbar kleine Position kann durch Finanzierung mit Hebel dominant werden.
Für die tatsächliche Diversifikation zählen Gewicht, Nominalwert, Währung, Duration, Hebel, Liquidität und wirtschaftliche Abhängigkeiten — nicht bloß die Anzahl der Ticker.
Ein Instrument einordnen
- Bestimme das gehaltene Recht und den Emittenten.
- Ermittle den Basiswert oder die wichtigste Renditequelle.
- Trenne die primäre Exponierung von Zusatzrisiken wie Währung, Hebel, Kredit und Liquidität.
- Lies Prospekt, Basisinformationsblatt oder Kontraktspezifikation.
- Nenne den Zweck der Einordnung: Bildung, Allokation, Risikomessung oder Berichterstattung.
- Wenn ein Instrument mehrere Klassen berührt, dokumentiere Zusammensetzung oder dominanten Faktor, statt es in eine einzige Schublade zu zwingen.
Typischer Fehler — Ein Portfolio nur deshalb „diversifiziert“ zu nennen, weil es viele Produkte enthält. Zehn Fonds mit überlappenden Exponierungen können eine einzige große wirtschaftliche Position bilden.
Quellen
- U.S. Securities and Exchange Commission, Investor.gov, Introduction to Investing — Asset-Allokation zwischen Aktien, Anleihen und Liquidität sowie Diversifikationsprinzip.
- U.S. Securities and Exchange Commission, Investor.gov, Investment Products — Produkte, Risiko, Kosten, Liquidität und Diversifikation.
- Banca d'Italia, L'economia per tutti, Cosa sapere prima di investire.
- Bank for International Settlements, About derivatives statistics — Abgrenzung von Währungs-, Zins-, Aktien-, Kredit- und Rohstoffderivaten.