Zum Inhalt springen

ETF (Exchange-Traded Fund)

Ein ETF ist ein Fonds, dessen Anteile an der Börse gehandelt werden. Er kann einen Index replizieren oder aktiv verwaltet sein; Preis, NAV, Kosten, Replikation und Liquidität sind getrennt zu prüfen.

Einfach gesagt — Mit einem ETF-Anteil hältst du eine Beteiligung an einem Fonds. Der Fonds kann Aktien, Anleihen oder andere Instrumente besitzen; du kaufst nicht unmittelbar den Index, der im Namen steht.

Ein ETF (Exchange-Traded Fund) ist ein Fonds, dessen Anteile während der Handelszeit an einer Börse gehandelt werden. Er bündelt Kapital vieler Anleger in einem Portfolio, das durch Anlageziel, Anlagepolitik und Fondsdokumente bestimmt ist.

Viele ETF versuchen einen Index nachzubilden. ETF und Indexfonds sind aber keine Synonyme: Es gibt aktiv verwaltete ETF und nicht börsengehandelte Indexfonds. Rechtsform, Schutzmechanismen und Begriffe hängen von der Rechtsordnung ab; der Prospekt ist maßgeblicher als der Produktname.

ETF: Primär- und Sekundärmarkt Fondsportfolio und Börsenhandel der Anteile sind verbunden, aber nicht identisch. Allgemeines ETF-Schema; konkrete Rechtsform und Schutzregeln hängen vom Prospekt ab. ETF: Primär- und Sekundärmarkt Fondsportfolio und Börsenhandel der Anteile sind verbunden, aber nicht identisch Allgemeines ETF-Schema; konkrete Rechtsform und Schutzregeln hängen vom Prospekt ab. 1 Fondsportfolio Der Fonds hält oder repliziert Vermögenswerte nachseinem Mandat. 2 NAV Vermögen minus Verbindlichkeiten geteilt durchumlaufende Anteile. 3 Börsenpreis Anleger handeln Anteile am Sekundärmarkt zu Bid undAsk. 4 Creation/Redemption Authorized Participants schaffen oder tilgen großeAnteilspakete am Primärmarkt. Cyclepedia · Lernschema, weder Marktquote noch Handelsempfehlung
Der Börsenpreis der Anteile und der Wert des Fondsportfolios entstehen auf zwei verbundenen, aber unterschiedlichen Ebenen.

Primärmarkt und Sekundärmarkt

Ein ETF funktioniert auf zwei Ebenen.

Handel zwischen Anlegern

Am Sekundärmarkt kaufen und verkaufen Anleger Fondsanteile zum verfügbaren Börsenpreis, ähnlich wie Aktien. Dieser Preis kann etwas über oder unter dem anteiligen Portfoliowert liegen.

Schaffung und Rücknahme

Am Primärmarkt können spezialisierte Teilnehmer, häufig Authorized Participants genannt, große Anteilspakete schaffen oder zurückgeben. Dafür liefern beziehungsweise erhalten sie nach den Fondsregeln einen Wertpapierkorb und/oder Liquidität. Der Mechanismus ermöglicht Arbitrage zwischen Anteilspreis und Portfoliowert. Er garantiert jedoch keinen stets verschwindenden Auf- oder Abschlag, besonders nicht in Stressphasen.


Der Nettoinventarwert (Net Asset Value, NAV) je Anteil lautet vereinfacht:

NAV je Anteil = (Fondsvermögen − Verbindlichkeiten) / umlaufende Anteile

Der NAV wird nach den Fondsregeln berechnet. Der Marktpreis entsteht dagegen aus Kauf- und Verkaufsaufträgen am Handelsplatz.

Auf-/Abschlag = (Marktpreis − NAV) / NAV

Ein positiver Wert ist ein Aufschlag, ein negativer ein Abschlag. Handeln die zugrunde liegenden Vermögenswerte zu anderen Uhrzeiten, sind sie illiquide oder werden sie geschätzt, kann ein zeitgleicher Vergleich weniger eindeutig sein, als die Formel vermuten lässt.


Wie der ETF seine Exponierung erhält

Methode Beschreibung Zu prüfende Punkte
Vollständige physische Replikation Der Fonds hält alle oder fast alle Indexbestandteile. Kosten, Wertpapierleihe, Rebalancing
Sampling Er hält eine Auswahl, die den Korb nachbilden soll. Tracking und Abweichungen
Synthetische Replikation Der Fonds nutzt Derivate, häufig Swaps. Gegenpartei, Sicherheiten, Vertragsbedingungen
Aktives Management Das Management wählt das Portfolio innerhalb des Mandats. Prozess, Kosten, Konzentration, Benchmarkabweichung

„Physisch“ bedeutet nicht risikofrei, „synthetisch“ nicht automatisch ungeeignet. Es sind unterschiedliche Strukturen mit unterschiedlichen Prüfpunkten.

ETF können Erträge ausschütten oder je nach Anteilsklasse wieder anlegen. Notierungswährung, Fondswährung und Währungen der zugrunde liegenden Vermögenswerte sind drei getrennte Angaben.


ETF, ETC, ETN und ETP

ETP ist ein Oberbegriff für börsengehandelte Produkte. Hinter ähnlich klingenden Namen können verschiedene Rechtsstrukturen stehen:

  • Ein ETF ist ein Fondsanteil.
  • Eine ETN ist gewöhnlich eine an einen Index oder Benchmark gebundene Schuldverschreibung des Emittenten.
  • Ein ETC kann am europäischen Markt eine besicherte oder unbesicherte Schuldverschreibung mit Rohstoffexponierung sein.
  • Andere ETP können besondere Vehikel, Sicherheiten oder Derivate einsetzen.

Eine ETN hält nicht zwingend ein abgesondertes Portfolio wie ein Fonds und bringt das Kreditrisiko des Emittenten mit sich. Ticker und der Ausdruck „exchange-traded“ reichen nicht aus, um die Struktur zu bestimmen.


Rendite und Tracking

Für einen indexorientierten ETF gilt:

Tracking Difference = ETF-Rendite − Indexrendite

Die Differenz kann aus Kosten, Steuern, Replikation, Liquidität, Rebalancing, Wertpapierleihe und dem Zeitpunkt der Wiederanlage entstehen. Der Tracking Error misst dagegen die Schwankung dieser Abweichung im Zeitablauf; er ist nicht die kumulierte Differenz.

Auch der Index muss eindeutig bezeichnet werden: Price Return, Gross oder Net Total Return, Währung, Berechnungszeit und Rebalancing-Regeln können den Vergleich verändern.


Liquidität und Kosten

Liquidität hat mindestens zwei Schichten:

  1. Volumen, Spread und Tiefe der ETF-Anteile an der Börse;
  2. Handelbarkeit und Bewertbarkeit der gehaltenen oder replizierten Vermögenswerte.

Ein ETF mit wenigen sichtbaren Umsätzen ist nicht zwingend illiquide, wenn der zugrunde liegende Korb leicht handelbar ist und der Schaffungsmechanismus funktioniert. Umgekehrt beseitigt hohes Volumen kein Bewertungsrisiko, wenn die Basiswerte geschlossen oder gestresst sind.

Zu den Kosten gehören laufende Fondskosten, Handelsprovisionen, Bid-Ask-Spread und Markteinfluss, Währungsumrechnung, Steuern und Quellensteuern sowie Tracking-Differenzen, die eine einzige Kostenkennzahl nicht vollständig erklärt.


Risiken, die sichtbar bleiben müssen

  • Risiko der zugrunde liegenden Vermögenswerte;
  • geografische, sektorale oder Emittentenkonzentration;
  • Tracking Difference und Tracking Error;
  • Auf-/Abschlag sowie Handelsaussetzung;
  • Schließung, Verschmelzung oder Indexwechsel des Fonds;
  • Gegenpartei und Sicherheiten bei synthetischer Replikation;
  • Währung, Wertpapierleihe und Liquidität in normalen wie gestressten Märkten;
  • Komplexität gehebelter, inverser, einzelaktienbezogener oder optionsbasierter ETF.

Gehebelte und inverse ETF verfolgen häufig ein tägliches Ziel. Wegen Reset und Aufzinsung kann das Mehrtagesergebnis stark von dem Vielfachen der kumulierten Benchmarkrendite abweichen.


Dokumenten-Check statt Namensdeutung

  1. Welche Rechtsstruktur liegt vor: ETF, ETN, ETC oder anderes ETP?
  2. Welchen Index oder welches Mandat verfolgt das Produkt, und in welcher Version?
  3. Erfolgt die Replikation vollständig, per Sampling, synthetisch oder aktiv?
  4. Wie sehen Portfolio, Konzentrationen und Wertpapierleihpolitik aus?
  5. Thesauriert oder schüttet die Anteilsklasse aus?
  6. Wie verhalten sich NAV, Spread, historische Auf-/Abschläge und Handelszeiten der Basiswerte?
  7. Welche direkten und indirekten Kosten addieren sich?
  8. Gibt es Hebel, täglichen Reset, Derivate oder Emittentenrisiko?

Quellen


Verwandte Themen