Ganz einfach — Ein Portfolio ist konzentriert, wenn wenige Positionen oder gemeinsame Ursachen einen großen Teil des möglichen Verlusts bestimmen — selbst wenn es viele Ticker enthält.
Konzentrationsrisiko ist die Verwundbarkeit, die entsteht, wenn ein wesentlicher Teil der Exposures oder potenziellen Verluste von wenigen Elementen oder einem gemeinsamen Merkmal abhängt. Eine Konzentration kann offensichtlich sein, etwa bei einer sehr großen Einzelposition. Sie kann sich aber auch erst im Look-through zeigen: Unterschiedliche Instrumente können vom selben Emittenten, Faktor, Sektor, Land, Modell, Broker oder Ausstiegsmarkt abhängen.
Es gibt nicht die eine Kennzahl „Konzentration“. Das Ergebnis verändert sich mit der Perspektive: Marktwert, Nominalwert, Delta, DV01, Szenarioverlust, Volatilitätsbeitrag, Expected Shortfall, Sicherheiten oder Liquidationskapazität beantworten unterschiedliche Fragen. Eine belastbare Diagnose nennt daher stets Objekt, Einheit, Umfang, Stichtag und Aggregationsregel.
Konzentration ist nicht bloß das Gegenteil von Diversifikation. Diversifikation beschreibt einen Prozess und dessen Wirkung; die Konzentrationsanalyse sucht nach Stellen, an denen das Portfolio dominiert werden kann. Ein Portfolio kann über viele Emittenten verteilt und zugleich im Aktien-Beta konzentriert sein. Es kann nach Volatilitätsbeiträgen ausgeglichen erscheinen und dennoch vollständig von einer Gegenpartei abhängen.
Wo Konzentration verborgen sein kann
| Dimension | Zu aggregierendes Objekt | Kontrollfrage |
|---|---|---|
| Name oder Emittent | direkte und indirekte Exposures | Wie viel hängt von einer Institution oder verbundenen Gruppe ab? |
| Sektor oder Region | Erträge, Kredite, Regulierung und Währungen | Welche Positionen reagieren auf dieselbe wirtschaftliche Entwicklung? |
| Marktfaktor | Beta, Zinsen, Spreads, Volatilität und Rohstoffe | Welcher gemeinsame Schock dominiert P&L und Risiko? |
| Strategie oder Modell | Signale und tatsächlich resultierende Positionen | Erzeugen verschiedene Systeme dieselbe Wette? |
| Gegenpartei und Verwahrung | Forderungen, Sicherheiten und verwahrte Vermögenswerte | Trifft ein Ausfall oder eine operative Sperre mehrere Konten? |
| Liquidität und Finanzierung | Handelsplätze, Tiefe, Laufzeiten und Margins | Benötigen Ausstiege oder Zahlungen dieselbe knappe Ressource? |
| Szenario | unter einem konsistenten Schock neu bewerteter Verlust | Wer verursacht den größten Teil eines schweren Verlusts? |
Die Klassifikation verlangt einen Look-through. Eine Aktie, ein ETF mit dieser Aktie und ein strukturiertes Produkt auf denselben Titel erzeugen drei Depotzeilen, aber nicht drei unabhängige Risikoquellen. Ebenso können sich eine Long- und eine Short-Position beim Netto-Exposure teilweise ausgleichen, während Brutto-Exposure, Basisrisiko, Liquidität und Abhängigkeit von derselben Infrastruktur hoch bleiben.
Beschreibende Gewichtsmaße
Sind xᵢ nichtnegative, homogene Exposures innerhalb desselben
Umfangs, lassen sie sich als Anteile normalisieren:
sᵢ = xᵢ / ∑ⱼ xⱼ; ∑ᵢ sᵢ = 1Drei gebräuchliche Diagnosen sind der größte Einzelanteil, die Summe der
größten k Anteile und der auf diese Anteile angewandte
Herfindahl-Hirschman-Index:
HHI = ∑ᵢ sᵢ²; beschreibende effektive Anzahl = 1 / HHIBei n gleichen Anteilen beträgt die effektive Anzahl
n; dominiert ein Anteil, nähert sie sich eins. Die Kennzahl misst
aber weder Korrelationen noch Liquidität oder Extremverluste. Bei
Short-Positionen, Derivaten oder negativen Risikobeiträgen ist eine andere
Konvention erforderlich, beispielsweise Bruttoanteile und eine getrennte
Darstellung von Long und Short. Vorzeichenbehaftete Werte ohne offengelegte
Regel können Verrechnungen erzeugen, welche die tatsächliche Größenordnung
verdecken.
Weder HHI noch effektive Anzahl liefern eine universelle Schwelle. Beide hängen vom Anlageuniversum, von der Granularität der Kategorien und von der Metrik ab. Die Gruppierung nach Einzeltitel, Konzern oder Sektor kann zu grundverschiedenen Ergebnissen führen.
Konzentration von Risiko und Szenarioverlusten
Kapitalgewichte zeigen nicht zwangsläufig, welche Position das Portfoliorisiko bestimmt. Bei einer differenzierbaren, homogenen Risikokennzahl kann der Risikobeitrag den Gesamtwert auf seine Komponenten aufteilen. Stark ungleiche Beitragsanteile weisen auf eine Konzentration innerhalb der gewählten Metrik hin. Diese Aussage bleibt modellabhängig: Eine Konzentration der Volatilität ist nicht gleichbedeutend mit einer Konzentration im Expected Shortfall oder im Liquidationsverlust.
Risikobeiträge können negativ sein, wenn eine Position einen Teil des Risikos kompensiert. Ein HHI, der mechanisch auf solche Beitragsanteile angewandt wird, ist mehrdeutig. In diesem Fall sollten vorzeichenbehaftete und absolute Beiträge, der Diversifikationseffekt sowie das Ergebnis mit und ohne Hedge nebeneinander stehen.
Szenarien eröffnen eine weitere Perspektive. Das Portfolio wird unter jedem konsistenten Schock neu bewertet; anschließend wird ermittelt, welche Positionen, Faktoren oder Gegenparteien den Verlust erzeugen. Eine im Normalzustand kleine Position kann bei Gap, Ausfall oder Volatilitätssprung den Szenarioverlust dominieren. Die Analyse endet daher nicht bei einer historischen Kovarianzmatrix.
Reproduzierbares Beispiel
Vier nichtnegative Exposures haben Anteile von 40 %, 30 %, 20 % und 10 %. Der größte Anteil beträgt 40 %, die zwei größten ergeben zusammen 70 %, und:
HHI = 0,40² + 0,30² + 0,20² + 0,10² = 0,30; 1 / HHI ≈ 3,33Die Rechnung beschreibt die Streuung dieser vier Anteile. Hängen die ersten beiden Unternehmen jedoch vom selben Sektor und von derselben Währung ab, zeigt der Look-through ein gemeinsames Exposure von 70 %. Ist die vierte Position eine Option mit konvexem Auszahlungsprofil, fasst ihr Marktwertanteil von 10 % den möglichen Szenarioverlust nicht zusammen. Keine dieser Zahlen ist für sich allein ein operatives Limit.
Kontrollprozess
- Positionen, Fonds, Derivate, Sicherheiten und Gegenparteien auf denselben Stichtag abstimmen.
- Stabile Taxonomien für verbundene Gruppen, Sektoren, Länder, Faktoren und Handelsplätze definieren.
- Konzentrationen in mehreren konsistenten Einheiten berechnen: Kapital, Brutto-Exposure, Sensitivität und Risiko.
- Look-through anwenden und Verrechnungen zwischen Long und Short überprüfen.
- Preis-, Ausfall-, Liquiditäts- und Margin-Szenarien ergänzen.
- Limits und Eskalationswege mit Mandat, Kapazität und anwendbarer Regulierung verbinden.
- Gewichtsdrift, Änderungen der Abhängigkeiten und Datenqualität fortlaufend überwachen.
Der Baseler Rahmen für Großkredite enthält konkrete Schwellen in Relation zum Tier-1-Kapital für Banken und definierte Gegenparteien. Er ist eine hilfreiche Quelle für Messung, Verflechtungen und Eskalation. Seine Prozentwerte dürfen jedoch nicht ohne denselben regulatorischen Kontext auf ein Retail-Konto, einen Fonds oder eine Handelsstrategie übertragen werden.
Typischer Fehler — Ticker zu zählen und daraus Diversifikation abzuleiten. Die entscheidende Konzentration kann im gemeinsamen Faktor, in der Gegenpartei, in den Sicherheiten oder im einzigen verfügbaren Liquiditätsfenster liegen.
Quellen
- Basel Committee on Banking Supervision, LEX10 — Definitions and application — Zweck, Anwendungsbereich und aktuelle Begriffe des aufsichtsrechtlichen Großkreditrahmens.
- Basel Committee on Banking Supervision, LEX20 — Requirements — für Banken im definierten Rahmen geltende Limite und Berichtspflichten.
- Basel Committee on Banking Supervision, SRP32 — Credit risk — Konzentrationsformen, gemeinsame Faktoren sowie Anforderungen an Richtlinien, Messung und Kontrolle.
- Basel Committee on Banking Supervision, Studies on credit risk concentration — Working Paper No 15 — analytische Unterscheidung von Namens- und Sektorkonzentration sowie Quantifizierungsansätze.
- Office of the Comptroller of the Currency, Concentrations of Credit, Comptroller’s Handbook — Identifikation von Exposure-Gruppen, die auf dieselbe wirtschaftliche oder finanzielle Entwicklung reagieren.