Einfach erklärt — Verglichen werden sofortige Papierausführung und reales Ergebnis. Auch das, was nicht gekauft oder verkauft wurde, gehört in die Messung.
Implementation Shortfall ist die Lücke zwischen einem Paper Portfolio und dem tatsächlich implementierten Portfolio. André F. Perolds ursprünglicher Rahmen trennt das ideale Entscheidungsergebnis von Ausführung und Nichtausführung. Er ist daher breiter als der Durchschnittspreis der Fills.
Die Vorzeichenkonvention wird offengelegt. Cyclepedia behandelt positive Kosten als schlechter als den Benchmark: beim Kauf mehr zahlen oder einen Anstieg verpassen, beim Verkauf weniger erhalten oder einen Rückgang verpassen.
Vom Paper Portfolio zur Realität
Das theoretische Portfolio unterstellt Ausführung zum gewählten Entscheidungspreis und -zeitpunkt. Das reale enthält mehrere Fill-Preise, Gebühren, Verzögerung und Restmenge. Die Wertdifferenz über einen einheitlichen Horizont ist der Shortfall.
Eine Zerlegung trennt explizite Kosten, Abstand zum Arrival Price, Verzögerung und Opportunitätskosten. Bezeichnungen variieren; Komponenten dürfen sich nicht überschneiden.
Vollständiges Beispiel
10.000 Aktien sollen zum Entscheidungspreis 100 gekauft werden. 8.000 füllen im Mittel zu 100,40, Gebühren 200. 2.000 bleiben offen und der Bewertungspreis steigt auf 101.
Der Fill-Abstand ist 3.200, Gebühren 200, Opportunitätskosten 2.000. Insgesamt 5.400 oder 54 Basispunkte auf den Papierwert 1.000.000. Ein anderer Preis oder Horizont misst eine andere Frage.
Warum die Restmenge zählt
Nur Fills zu betrachten belohnt das Meiden schwieriger Slices. Läuft der Markt weg und die Hälfte bleibt offen, beschreibt ein guter Preis der gefüllten Hälfte nicht die Entscheidung. Shortfall bewertet den Rest nach einer erklärten Schlussregel.
Opportunitätskosten sind kontrafaktisch: Der Marktpreis nach hypothetischer Vollausführung ist nicht beobachtbar. Es ist eine Schätzung, keine Rechnung.
Bezug zu anderen Kennzahlen
Arrival Price ist ein Ausgangspunkt; Implementation Shortfall eine Bilanz. VWAP vergleicht mit einem Zeitraum und kann trotz Restmenge geschlagen werden. Ausführungsqualität umfasst auch Geschwindigkeit, Fill-Wahrscheinlichkeit und Stabilität.
Die Maße sind keine austauschbaren Ranglisten. Sie müssen zu Mandat und Dringlichkeit passen.
Fortgeschritten: Zerlegung und Attribution
Beim Kauf: ausgeführte Menge mal Fill minus Entscheidungspreis, plus Restmenge mal Schluss- minus Entscheidungspreis, plus explizite Kosten. Beim Verkauf drehen sich Vorzeichen.
Preise, Horizont, Währung, Kapitalmaßnahmen und Gebühren müssen point-in-time sein. Verzögerung, Impact und Marktbewegung können korrelieren. Desk-Vergleiche brauchen ähnliche Größe, Liquidität, Dringlichkeit und Grenzen.
Grenzen und Fehler
Ein nachträglich gewählter Entscheidungspreis macht die Kennzahl manipulierbar. Kurze Horizonte bestrafen Geduld, lange enthalten spätere Information. Slippage, Spread und Impact ohne Definition zu addieren zählt Kosten doppelt. Shortfall misst Umsetzung, nicht die Güte der Anlageidee.
Quellen
- André F. Perold — The Implementation Shortfall: Paper versus Reality
- EUR-Lex — Delegated Regulation (EU) 2017/653, Annex VI
- SEC — Frequently Asked Questions: Rule 605 of Regulation NMS
- ESMA — Q&A 1824 on ex-post transaction-cost disclosure